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@incollection{ Gill1997,
 title = {Vom Ende der Natur als normativer Begründungsressource in spätmodernen Gesellschaften},
 author = {Gill, Bernhard},
 editor = {Rehberg, Karl-Siegbert},
 pages = {765-769},
 year = {1997},
 publisher = {Westdt. Verl.},
 isbn = {3-531-12878-7},
 urn = {https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0168-ssoar-138028},
 abstract = {"Allgemein wird in der Soziologie heute die selbstkritische Diagnose eines 'ökologischen Defizits' gestellt. Häufig verbunden ist damit die Forderung, Natur als Kategorie in die Soziologie (wieder)einzuführen. Wenn man jedoch akzeptiert, daß Soziologie die Wissenschaft von den gesellschaftlichen Ordnungsvorstellungen und des sinnhaft orientierten Handelns ist, fällt es schwer, einen direkten Bezug zu den stofflich-materiellen Aspekten herzustellen, die Grundlage einer ökologischen Selbstgefährdung sein mögen. Naheliegender und im soziologischen Forschungsprogramm anschlußfähiger erscheint es zunächst, die Bedeutung der jeweiligen Naturvorstellungen für die Begründung gesellschaftlicher Ordnungskonzepte zu untersuchen. In meinem Beitrag vertrete ich die These, daß sich der Geltungsanspruch jeglicher Rekurse auf Natur in spätmodernen Gesellschaften hier als kaum noch begründbar erweist. Denn solange man Natur als gegeben und von gesellschaftlicher Manipulation unbeeinflußt konzipieren konnte, eignete sich der Rekurs auf Natur zur stabilen Grenzziehung für den Geltungsbereich gesellschaftlicher Verantwortung: Gesellschaftliche Entscheidungen sind zu begründen, naturbedingte Ereignisse sind als Schicksal hinzunehmen. Doch mit den wachsenden wissenschaftlich-technischen Manipulationsmöglichkeiten und unter dem Eindruck ökologischer Krisenerscheinungen wird diese Grenzziehung problematisch. An die Stelle der Grenze zwischen Gesellschaft und Natur tritt nun die Grenze zwischen Wissen und Nicht-Wissen. Hier rückt die Wissenschaft in eine Schlüsselstellung für die Integration der ganzen Gesellschaft ein. Aber die Wissenschaft ist selbst, zumindest in ihrem Objektivitätsanspruch und damit in ihrem Anspruch, allgemeingültige Definitionen des Wissensstands liefern zu können, auf die Unterscheidung zwischen Gesellschaft und Natur angewiesen, deren Realitätsgehalt und Gültigkeit gerade im Schwinden begriffen ist. Daraus ergeben sich problematische Konsequenzen, die weder in einer linearen Fortschreibung der Modernisierungstheorie noch im Sinne reflexiver Modernisierung einfach zu lösen sind." (Autorenreferat)},
}