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@article{ Kohnert1991,
 title = {Langzeitfolgen der Entwicklungshilfe: empirische Untersuchungen im ländlichen Westafrika},
 author = {Kohnert, Dirk and Bierschenk, Thomas and Elwert, Georg},
 journal = {Afrika Spectrum},
 number = {2},
 pages = {155-180},
 volume = {26},
 year = {1991},
 urn = {https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0168-ssoar-55635-2},
 abstract = {Dieser Artikel basiert auf Feldstudien im ländlichen Westafrika. Es konzentriert sich auf die sozio-strukturellen Effekte der Entwicklungshilfe auf lange Sicht, im Gegensatz zu zahlreichen verfügbaren Evaluierungsberichten über die kurzfristigen Effekte von Entwicklungsprojekten. Die Studie zeigt, dass oberflächliche Verallgemeinerungen oder Verurteilungen von Entwicklungsprojekten, z.B., dass die großen Landwirte auf Kosten der kleineren, oder die Männer auf Kosten der Frauen profitieren, der Überprüfung nicht standhalten. Ganz im Gegenteil beobachteten wir eine breite Palette spezifisch angepaßter Formen, mit denen die Zielgruppen auf die Anforderungen und Angebote von Entwicklungsprojekten reagieren und damit ihre eigene soziale Struktur verändern. Kurz gesagt, wir beobachteten eine große Vielfalt der sozialen Selbstorganisation. Die bürokratischen Strukturen der Entwicklungsverwaltung berücksichtigen jedoch leider oftmals nicht die soziale Dynamik ihrer Zielgruppen, die sie dennoch unbewusst aufrechterhalten. Die Entwicklungshilfe ist in den meisten afrikanischen Ländern zu einem wichtigen politischen und wirtschaftlichen Faktor geworden. Die finanziellen Auswirkungen übersteigen oft die des nationalen Haushalts. Sie trägt also wesentlich zur Entwicklung einer bürokratischen Klasse und derer Klienten bei: Die Projektentwicklung degeneriert zu einer Projektverstaatlichung / Bürokratisierung. Das kontrastiert mit den Strategien der Bauern. Männer und Frauen auf Dorfebene akzeptieren nicht mehr den paternalistischen Entwicklungsansatz. Sie wählen einfach, was sie brauchen, aus den Paketen von Lösungen, die ihnen angeboten werden, während sie ihre eigenen Lösungen entwickeln, wie eine Vielzahl von Samen, die an ihre spezifischen Ressourcen-Ausstattung, diversifizierte Einnahmequellen, verschiedene Strategien der Akkumulation und Risikoprävention angepasst sind. All dies ermöglicht eine allmähliche Entwicklung durch Variation und Selektion. Die Dynamik der ländlichen Gesellschaft beruht in hohem Maße auf einer Konkurrenz unterschiedlicher (strategischer) Gruppen über die Aufteilung der Entwicklungshilfe. Normalerweise wird dieser Kampf zwischen verschiedenen Gruppen-Interessen durch die Rhetorik der Entwicklungsplanung verdeckt. Die von den Institutionen der Entwicklungszusammenarbeit geplante Entwicklung hat sich bislang als zu starr erwiesen, um den komplexen und subtilen Stoff der Selbstorganisation berücksichtigen zu können. Die Hilfe scheint manchmal nur ein zweitbester Ersatz für eine Vision einer demokratischen Gesellschaft zu sein. Dies liegt daran, dass die Strukturen, die wir auf lange Sicht anstreben, sich mehr an der Öffnung der Märkte und nationalem Wachstum orientieren als an den Ressourcen und Bedürfnisse der Produzenten oder der Entwicklung nachhaltiger sozialer indigenen Strukturen, z.B. der Hilfe zur Selbsthilfe, eine verantwortliche und demokratische Regierung, Gewährleistung der Bürgerrechte, Rechenschaftspflicht, eine unabhängige Justiz, Pressefreiheit usw. Bis jetzt aber werden jedoch alle diese Elemente immer noch vom 'Kommando-Staat' selbst unterdrückt, der maßgeblich unterstützt wird von den verschiedenen Formen der technischen und finanziellen Entwicklungszusammenarbeit.This article is based on field studies in rural West Africa. It concentrates on the socio-structural effects of development aid in the long run, in contrast to numerous available evaluation reports on the short-run effects of development projects. The study reveals that superficial generalisations or condemnations of development projects, like the big farmers benefit at the expense of the smaller ones, or the men benefit at the expense of the women, do not hold up to verification. Quite to the contrary one observes a wide range of specific adapted forms by which the target groups react to the demands and offers of development projects, and thereby transform their own social structure. In short, one observes a great diversity of social self-organisation. The bureaucratic structures of the development administration do, however, unfortunately - more often than not - ignore the social dynamic of their target groups which they nevertheless sustain unconsciously. Development aid has become an important political and economic factor in most African countries. Its financial impact often exceeds that of the national budget. It contributes, therefore, significantly to the development of a bureaucratic class and of its clients: the project development degenerates into a project nationalization / bureaucratization. This contrasts vividly with the strategies of the peasants. Men and women at village level do not accept any longer the paternalistic development approach. They just select what they need out of the packages of solutions that are offered to them, while they develop their own solutions, like a variety of seeds adapted to their specific resource endowments, diversified sources of income, different strategies of accumulation and risk prevention. All this allows for a gradual evolution by variation and selection. The dynamic of the rural society is to a large extent due to a competition of different (strategic) groups, opposed to one another, about the partitioning of the cake of development aid. Normally this struggle between different vested interests is covered up by the rhetoric of development planning. Planned development has up to now proven to be to rigid, to be able to take account of the complex and subtle fabric of self organisation. Aid sometimes appears to be a second best substitute for a vision of a democratic society. This is due to the fact that the structures we are aiming for in the long run - which are to allow for open markets, an orientation of the producers at the resources and needs of the nation, and last not least, the growth of indigenous structures of self-help - would require a responsible and democratic government, as well as the guarantee of civil rights, accountability, an independent judiciary, freedom of the press, etc.; up to now, however, all these elements are still oppressed by the commando state itself, well nourished by the various forms of technical and financial aid.},
 keywords = {Entwicklungshilfe; development aid; Entwicklungshelfer; development aid volunteer; Westafrika; West Africa; Effizienz; efficiency; qualitatives Wachstum; qualitative growth; Entwicklungspolitik; development policy; Entwicklungsplanung; development planning; Selbstorganisation; self-organization; Selbsthilfe; self-help; Entwicklungsland; developing country}}