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Migration und innere Sicherheit : komplexe Zusammenhänge, paradoxe Effekte und politische Simplifizierungen

Migration and domestic security : complex relations, paradoxical effects and political simplifications
[Zeitschriftenartikel]

Bauböck, Rainer

Zitationshinweis

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgenden Persistent Identifier (PID):http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0168-ssoar-60545

Weitere Angaben:
Abstract 'Der Zusammenhang zwischen Migration und innerer Sicherheit ist komplex, wird aber immer wieder politisch simplifiziert. Die generelle Annahme, welche durch Medienberichterstattung und politische Reden verbreitet wird, lautet, dass unkontrollierte Zuwanderung Sicherheit in zweierlei Hinsicht gefährde: Erstens direkt, indem sie grenzüberschreitende kriminelle Aktivitäten erleichtert, und zweitens indirekt, indem sie gesellschaftliche Zustände herbeiführt, welche die staatliche Fähigkeit zur Aufrechterhaltung öffentlicher Ordnung und sozietaler Sicherheit in einem umfassenderen Sinn schwächen. Der Beitrag argumentiert, dass diese prima facie plausible Behauptung modifiziert werden muss. Erstens müssen Migrationskontrollen im Namen der inneren Sicherheit gegen den ökonomischen und sozialen Nutzen sowie den politischen Eigenwert von Bewegungsfreiheit abgewogen werden. Zweitens kann die Illegalisierung von Einwanderung selbst öffentliche Sicherheit gefährden, wenn sie anhaltende Migrationsbewegungen nicht unterbinden kann, oder wenn die Hochrüstung von Grenzen zur Verdrängung freiwilliger und selbst organisierter Fluchthilfe durch organisierte Schlepperbanden führt. Drittens kann die Schließung von Grenzen paradoxerweise kurzfristige Zuwanderung aus Gründen der Torschlusspanik verstärken und langfristige Rückwanderung blockieren. Bei der Analyse der indirekten Auswirkungen von Migration auf sozietale Sicherheit im weiten Sinn des Begriffs liefern redistributive and regulative Sozialpolitiken die stärkste normative Begründung für Einwanderungskontrollen, rechtfertigen jedoch kaum Ziele und Mittel der gegenwärtigen politischen Steuerung. Der für diese Politik wesentliche Zusammenhang zwischen Migration und Sicherheit ist ein diskursiver: 'Sicherheit' kann im politischen Sprachspiel als Trumpf eingesetzt werden, welcher andere Werte aussticht. Dies hilft die breite Unterstützung für kontraproduktive und normativ problematische Politiken zu erklären.' (Autorenreferat)

'The relation between migration and domestic security is complex but in constant danger of being politically simplified. The general assumption spread by media reports and political speeches is that uncontrolled immigration endangers security directly by facilitating transborder criminal activity or indirectly by creating general conditions within society that diminish the state's capacity to maintain public order or to produce societal security in a more comprehensive sense. The contribution argues that an adequate analysis needs to modify this prima facie plausible account. First, there are important trade-offs between enhancing security and freedom of movement because the latter creates important benefits and has in a liberal perspective also intrinsic value. Second, migration control may itself endanger security by illegalising human actions that cannot be de facto prevented and by creating a market for human trafficking. Third, closing borders for ongoing immigration flows may paradoxically increase inflows in the short run and prevent return migration in the long run. The essay examines further how migration affects the state's capacity to produce four public goods that are often included in a comprehensive conception of societal security: demographic sustainability, cultural homogeneity, democratic self-determination and social security. Among these, redistributive welfare policies provide the strongest argument for immigration control, but cannot fully justify present priorities, levels and means. A final aspect of the relation between migration and security is, however, the securitisation of migration policy discourses that generally trumps other arguments and creates widespread support for counterproductive and normatively indefensible policies.' (author's abstract)
Thesaurusschlagwörter demographic factors; immigration; immigration policy; domestic security; cultural factors; nonmarket good; political factors; security; social security; migration; immigration
Klassifikation Migration; spezielle Ressortpolitik
Methode anwendungsorientiert; deskriptive Studie
Sprache Dokument Deutsch
Publikationsjahr 2004
Seitenangabe S. 49-66
Zeitschriftentitel Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft, 33 (2004) 1
Status Veröffentlichungsversion; begutachtet
Lizenz Deposit Licence - Keine Weiterverbreitung, keine Bearbeitung
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