Mehr von Mose, Ingo
Mehr von Europa Regional

Export für Ihre Literaturverwaltung

Übernahme per Copy & Paste
Bibtex-Export
Endnote-Export

       

Weiterempfehlen

Bookmark and Share


Nationalpark Hohe Tauern: Lehrstück einer "regionalisierten Regionalentwicklung" im Alpenraum?

The National Park Hohe Tauern: an instructive example for a "regional development on a regionalised basis" in the Alpine area?
[Zeitschriftenartikel]

Mose, Ingo

Zitationshinweis

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgenden Persistent Identifier (PID):http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0168-ssoar-48257-2

Weitere Angaben:
Abstract Wie kaum ein anderer Großraum Europas sind die Alpen seit mehr als einem halben Jahrhundert besonders tiefgreifenden Prozessen des regionalen Strukturwandels ausgesetzt. Zentrales Ergebnis dieser Entwicklung ist die Herausbildung einer ausgesprochen differenzierten Raumstruktur, die zugleich mit einer Reihe ernst zu nehmender ökonomischer, soziokultureller und ökologischer Probleme verbunden ist. Für Raumordnung und Regionalpolitik stellen diese eine besondere Herausforderung dar. Zur Lösung der entstandenen Probleme stehen heute vorrangig Überlegungen zur Diskussion, die der Vielfalt der räumlichen Entwicklungstendenzen über die Formulierung regionsspezifischer Handlungsstrategien in Politik und Planung Rechnung zu tragen versuchen. Entsprechende Ansätze einer "regionalisierten Regionalentwicklung" werden primär aus zwei Richtungen beeinflusst: Auf der einen Seite beruhen sie auf Vorstellungen einer stärker dezentralen Steuerung notwendiger Entscheidungsprozesse, die mit der Verlagerung vormals zentral-staatlicher Aufgaben und Zuständigkeiten auf eine regionale Ebene verbunden sind. Auf der anderen Seite wird dieser Prozess durch eine Regionalisierung "von unten" bestimmt, wie sie u. a. in verschiedenen Formen der interkommunalen Kooperation sichtbar wird. Der österreichische Nationalpark Hohe Tauern stellt ein geeignetes Beispiel dar, anhand dessen Möglichkeiten, Widersprüche und Grenzen von Strategien einer "regionalisierten Regionalentwicklung" im Alpenraum diskutiert werden können. So gilt die Einrichtung des Nationalparks über die Grenzen der Länder Kärnten, Salzburg und Tirol hinweg heute vielfach als ein "Lehrstück" der alpinen Raumordnung, das primär auf der Qualität eines inzwischen weithin unbestrittenen Zonierungskonzeptes beruht. Darüber hinaus wird die mit der Installierung des Schutzgebietes eingeleitete Entwickl ung der "Nationalparkregion" aber auch als ein Modell für die Erprobung regional angepasster Entwicklungsstrategien in peripheren ländlichen Räumen angesehen. Die Erfahrungen mit der bisherigen Entwicklung in der Nationalparkregion Hohe Tauern vermitteln dabei allerdings ein heterogenes, keineswegs widerspruchsfreies Bild. Zu den erkennbaren Problemen zählt insbesondere die nach wie vor unzureichende regionale Abstimmung diverser Entwicklungsprojekte, die mit dem Fehlen eines regionalen Leitbildes für den Gesamtraum der Nationalparkregion einhergeht. Auch die Entwicklung entsprechender Einrichtungen eines professionellen Regionalmanagements sowie mehrerer LEADER-Aktionsgruppen haben dieses Defizit einer stärkeren Verankerung der "regionalen Ebene" nur bedingt auszugleichen vermocht. Stattdessen wirkt insbesondere im Bereich der touristischen Infrastrukturplanung heute nach wie vor die Konkurrenz der Gemeinden in starkem Maße als Motor der regionalen Entwicklung. Mit der Vorstellung einer nationalparkkonformen -nachhaltigen- Entwicklung der Region erscheint dieses Bild schwerlich vereinbar. Insoweit wird deutlich, dass die angestrebte Integration des Schutzgebietes mit der Gesamtentwicklung der Region nach wie vor ein beträchtliches Stück hinter den Erwartungen und Möglichkeiten einer "regionalisierten Regionalentwicklung" zurückbleibt.

Like almost no other large region in Europe, the Alps have been exposed to far-reaching processes of structural transformation in the region for more than fifty years. The central result of this development is the formation of an extremely differentiated regional and spatial structure, which is simultaneously linked to a series of significant economic, sociocultural and ecological problems. These represent particular challenges for regional planning and regional development policy. The main discussions as to how to solve these problems centre around considerations that attempt to do justice to the numerous regional development trends by wording specific action plans in policy and planning for each region. Corresponding approaches of "regional development on a regionalised basis" are influenced primarily by two movements. Firstly they are based on the idea of more pronounced, decentral control of necessary decision making processes, which is linked to the assignment of formerly central state tasks and responsibilities to a re gional level. Secondly, this process is affected by regionalisation "from the bottom up", as are manifest in various forms of pan-municipal cooperation. The Austrian National Park Hohe Tauern is a suitable example for discussing the possibilities, contradictions and restrictions on strategies of "regional development on a regionalised basis" in the Alpine areas. For example, the establishment of the national park across the regional borders of Carinthia, Salzburg and Tyrol is seen by many as being a shining example of Alpine regional policy and planning, based primarily on the quality of a now largely undisputed zoning concept. In addition, the development of the "national park region", which was initiated by the installation of the nature reserve, is seen as a model for testing tailor made development strategies for the peripheral rural regions. Experience with the development of the national park region Hohe Tauern up until now conveys the impression of a heterogeneous, by no means contradictory-free area. One of the obvious problems is still the insufficient regional coordination of various development projects, which goes hand in hand with the lack of a regional guideline for the whole area of the national park. The development of corresponding in stitutions of professional regional management and several LEADER action groups have only been able to compensate this deficit concerning a stronger anchoring of the "regional level" to a certain extent. Instead, competition between the municipalities, especially with regards to the planning of tourist infrastructure, remains the driving force behind regional development. This impression seems hardly to suit the idea of a national park-conform, sustained development of the region. Accordingly, it is clear that the targeted integration of the nature reserve in the general development of the region will lag way behind the expectations and opportunities of a "regional development on a regionalised basis".
Thesaurusschlagwörter Austria; national park; regional development; regionalization; development area; Alps; conservation; spatial planning; regional planning; nature reserve; structural change; EU
Klassifikation Raumplanung und Regionalforschung
Sprache Dokument Deutsch
Publikationsjahr 2001
Seitenangabe S. 89-98
Zeitschriftentitel Europa Regional, 9.2001 (2001) 2
ISSN 0943-7142
Status Veröffentlichungsversion; begutachtet
Lizenz Deposit Licence - Keine Weiterverbreitung, keine Bearbeitung
top