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Industrie-Squatter in Tirana: informelles Wohnen in aufgelassenen Kombinaten der albanischen Hauptstadt

Industrial squatters in Tirana: living informally in industrial combines left unlocked in the Albanian capital
[Zeitschriftenartikel]

Becker, Hans; Bloechl, Alexander; Doka, Dhimitër; Göler, Daniel; Karaguni, Merita; Köppen, Bernhard; Mai, Ralf

Zitationshinweis

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgenden Persistent Identifier (PID):http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0168-ssoar-48116-3

Weitere Angaben:
Abstract Marginalsiedlungen gelten gemeinhin als ein Kennzeichen von schnell wachsenden Städten in Drittweltländern. Informelles Wohnen ist, als post-sozialistische Transformationserscheinung, aber auch in den Großstädten Ost- und Südosteuropas keine Seltenheit. Dem Begriff informellen Wohnens selbst haftet zwar häufig der Beigeschmack von Armut und Marginalisierung an, doch in der albanischen Hauptstadt Tirana umfasst er die gesamte Bandbreite von sozialen Abstufungen in der Gesellschaft. Es gibt informelle Oberschichtviertel mit villenähnlichen Wohnformen, sehr ausgedehnte illegale mittelständische Wohngebiete -speziell im randstädtischen Bereich- und ärmliche Squatterviertel der Unterschicht. Im vorliegenden Beitrag wird am Beispiel Tiranas eine spezielle Form aus dem in Albanien als Massenphänomen auftretenden informellen Wohnens sowie die damit verbundene Gruppierung der Industriesquatter vorgestellt. Dabei handelt es sich um Zuwanderer, die sich Wohnungen in leer stehenden, teilweise verfallenen Fabrikgebäuden errichten. Entsprechende Möglichkeiten bieten die Areale der ehemaligen Industriekombinate in der albanischen Hauptstadt, weil diese bisher nur teilweise privatisiert worden sind und eine industrielle Nachfolgenutzung meist nicht existiert. Jene Teile, die sich noch im Staatsbesitz befinden, stehen nach wie vor leer und befinden sich in einem ausgesprochen desolatem Zustand. Die Variationsbreite der baulichen Umgestaltung von ungenutzten Industriebauten ist groß; sie reicht vom vergleichsweise einfachen Umwidmen vormaliger Verwaltungstrakte bis hin zu spektakulär anmutenden, aufwendigen Einbauten in obere Geschosse ehemaliger Fabrikhallen. Fast ausnahmslos werden dafür gebrauchte Materialien verwandt, die zumeist durch illegalen Abbruch von Gebäuden in den einstigen Kombinaten stammen. Bei der Strom- und Wasserversorgung wird auf die noch vorhandenen Ressourcen des vormaligen Industriebetriebs zurückgegriffen. Obwohl die informelle Besitznahme der Gebäude oder Gebäudeteile staatliche Eigentumsrechte berührt, müssen ansiedlungswillige Squatter Zahlungen an nicht zu identifizierende Dritte leisten, damit die Wohnsitznahme geduldet wird. Die Mehrzahl der Industriesquatter ist in einer letzten Welle der Migration nach Tirana in der zweiten Hälfte der 90er Jahre aus Nordalbanien zugewandert, wobei Teile heimatlicher Sozial- und Familienverbände transferiert worden sind. Befragungen und Kartierungen in den Wohnarealen zeigten teilweise einen hohen Anteil von Nachbarschaften aus der Herkunftsregion. Innerhalb Tiranas leben die Industriesquatter stark isoliert; eine Integration in das Großstadtleben fand bisher kaum statt. (Autorenreferat)

Marginal settlements are generally considered an indicator of fast-growth in Third World cities. However, informal living is not at all rare as a post-Socialist phenomenon of the transformation process and in the big cities of Eastern and South Eastern Europe. The connotation of poverty and marginalisation is often inherent in the idea of in formal living itself. But, in the Albanian capital of Tirana it encompasses the entire range of social gradations in society. There are informal quarters of the upper classes with mansion-like forms of living, extremely extended illegal middle-class residential areas (especially on the outskirts of the city) and poor squatters' quarters of the lower classes. This article will take th e example of Tirana to showcase a special form selected from the mass phenomenon of informal living witnessed in Albania and the industrial squatter groups associated with it. They are immigrants who set up homes in empty and somewhat dilapidated factory buildings. The areas of the former industrial combines in the Al banian capital feature similar things since they have only partially been privatised or have not found industrial reutilisation. The parts still owned by the government are still empty and are in a totally disastrous condition. There is also a wide variety of ways to rebuild unused industrial buildings ranging from simply rededicating previous administrative sections right down to complex installations with a spectacular appearance in upper floors of former factory halls. Almost all of the materials used for this come from illegal demolition of buildings in former industrial comb ines and still existing resources are used for the power and water supply of the prior industrial company. Although informally taking possession of these buildings or parts of buildings is tangent to government rights of ownership, squatters who want to be tolerated settling there have to make payment to third parties who cannot be identified. The majority of industrial squatters immigrated in the last wave of migration from North Albania to Tirana in the second half of the 90's where parts of home social and family groups were transferred. Some polls and mapping in these housing areas indicated a major proportion of neighbourhoods from the home region. These industrial squatters live extremely isolated in Tirana and have hardly been integrated into big city life. (author's abstract)
Thesaurusschlagwörter Albania; area utilization; informal sector; shadow economy; urban development; residential behavior; Southeastern Europe; immigration; building activity; factory; capital city; resident; social isolation; industrial region
Klassifikation Raumplanung und Regionalforschung; Siedlungssoziologie, Stadtsoziologie
Sprache Dokument Deutsch
Publikationsjahr 2005
Seitenangabe S. 12-20
Zeitschriftentitel Europa Regional, 13.2005 (2005) 1
ISSN 0943-7142
Status Veröffentlichungsversion; begutachtet
Lizenz Deposit Licence - Keine Weiterverbreitung, keine Bearbeitung
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