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Großgliederung Europas nach kulturräumlichen Kriterien

Large-scale structuring of Europe according to cultural space criteria
[Zeitschriftenartikel]

Jordan, Peter

Zitationshinweis

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgenden Persistent Identifier (PID):http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0168-ssoar-48072-8

Weitere Angaben:
Abstract Europa wurde immer wieder in Großregionen gegliedert, wobei physisch-geographische, humangeographische und oft auch national-politische Kriterien und Überlegungen eine Rolle spielten. Im vorliegenden Versuch wird nach einem konsequent und ohne national-politische Absichten ausgeführten kulturräumlichen Ansatz vorgegangen. Er berücksichtigt Faktoren, die (1) in der Kulturlandschaft wahrnehmbare Wirkungen hinterlassen, (2) Einstellungen und Verhaltensweisen der Menschen mitbestimmen, (3) für die heutigen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse maßgebend sind und (4) eine Raumgliederung ergeben, die sich nicht rasch wieder verändert. Als Ausgangspunkt dient dabei der Begriff von Mitteleuropa, der schon lang in Diskussion steht und über den die Diskussion nach dem Ende des globalen politischen Antagonismus mit besonderen Auswirkungen auf Europa wieder aufgeflammt ist. Für die räumliche Begrenzung dieses Begriffs werden acht Kriterien verwendet: (1) Historische Prägung durch deutsche und jüdische Kultur (als Spezifikum) zusätzlich zu slawischen, romanischen, ungarischen u.a. Kulturschichten (die außerhalb Mitteleuropas auch vorhanden sind) (2) Nebeneinander oder zeitliche Abfolge von Protestantismus und Katholizismus, während Orthodoxie und Islam nur randliche Rollen spielen. (3) Im Vergleich zu Ost- und Südosteuropa frühe Entwicklung eines Städtesystems und eines Bürgertums als Gegengewicht zu Adel, Landesherrn und Kirche (4) Frühe Existenz eines freien, keinem Grundherrn untergeordneten Bauerntums (5) Tradition lokaler und regionaler Selbstverwaltung als Folge früheren politischen Partikularismus (6) Kulturelle (Sprache, Religion) und ethnische Vielfalt innerhalb von Staaten (7) Politisch und wirtschaftlich stets dem Kontinent zugewandt (und nicht nach Übersee orientiert) (8) Im Vergleich zu Westeuropa verspätete, gegenüber Ost- und Südosteuropa aber frühe Industrialisierung. Daraus folgt, dass unter dem Begriff Südosteuropa jene Gebiete zusammengefasst werden, die byzantinisch geprägt, aber nachhaltig auch durch die lange osmanische Herrschaft überformt wurden. Unter Osteuropa wird dagegen jener Teil des byzantinisch geprägten orthodoxen Europas verstanden, der nur randlich vom Osmanischen Reich beeinflusst und von diesem kaum nachhaltig überformt wurde. Als Nordeuropa gilt der durchwegs protestantisch gebliebene Teil Europas mit geringer Erschließungsdichte. Unter Westeuropa sind die zum Atlantik hin orientierten ehemaligen Kolonialmächte und Gebiete mit nachhaltigen Auswirkungen der Reformation, einem frühen Städtewesen und einem frühen Beginn der Industrialisierung zusammengefasst. Als Südeuropa gelten die katholischen und wesentlich romanisch geprägten Länder mit großer Seefahrertradition. Die nach diesen Kriterien definierten Regionalbegriffe werden auf Karten gezeigt, wobei eine Gliederung nach Kulturlandschaften durch eine Gliederung nach heutigen Staaten ergänzt wird. (Autorenreferat)

Europe has repeatedly been broken down into major regions where physical/geographical and often national and political criteria and considerations have figured prominently including human geography. This will be an attempt to develop a faithful model of cultural spaces excluding national and political intentions while applying factors that (1) leave perceptible effects in the cultural landscape, (2) have a co-determining effect on the attitudes and behaviour of people, (3) are critical factors for today's social, political and economic situations, and (4) provide a spatial breakdown that don't change rapidly. The concept of Central Europe is the point of departure because it has been under discussion for a long period of time and has flared up again on the debate on the end of global and political antagonisms with a particular impact on Europe. Eight criteria will be applied for narrowing down this concept in spatial terms: (1) The historical impact left by German and Jewish culture (as specific characteristics) in addition to Slavic, Romanic and Hungarian layers of culture among other (that are also in evidence outside of Central Europe) (2) The coincidence or temporal succession of Protestantism and Catholicism while orthodoxy and Islam play only a minor role. (3) The early development of an urban system and middle class in comparison to Eastern and South-Eastern Europe as a counterweight to nobility, gentry and church (4) The early existence of a free class of peasants who were not subordinate to a lord of the manor (5) A tradition of local and regional self-administra tion as a result of early political particularism (6) Cultural (i.e., linguistic and religious) diversity including ethnic diversity within states (7) Always tending towards the continent in political and economic terms (not overseas) (8) Late industrialisation in comparison to Western Europe, but early industrialisation in comparison to Eastern and South-Eastern Europe This allows the conclusion that these territories can be subsumed under the term of South-Eastern Europe because they are under Byzantine influence, although the long Ottoman domination has also left sustainable traces. In contrast, Ea stern Europe means the portion of orthodox Europe under Byzantine influence that was only marginally impacted by the Ottoman Empire and hardly transformed by it. Furthermore, Northern Europe is the part of Europe that has remained totally Protestant with a low development density. Western Europe is subsumed under the concept of former colonial powers and territories that are orientated towards the Atlantic and sustainably impacted by the Reformation with an early urban structure and early beginnings of industrialisation. Finally, Southern Europe is the Catholic and essentially Romanic countries with a major seafaring tradition. The regional concepts defined according to these criteria are shown on maps that is supplemented by structuring. (author's abstract)
Thesaurusschlagwörter Europe; culture; cultural geography; regional distribution; historical development; social history; definition
Klassifikation Raumplanung und Regionalforschung; Sozialgeschichte, historische Sozialforschung; Kultursoziologie, Kunstsoziologie, Literatursoziologie
Sprache Dokument Deutsch
Publikationsjahr 2005
Seitenangabe S. 162-173
Zeitschriftentitel Europa Regional, 13.2005 (2005) 4
ISSN 0943-7142
Status Veröffentlichungsversion; begutachtet
Lizenz Deposit Licence - Keine Weiterverbreitung, keine Bearbeitung
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