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Transformation zur geschlossenen Stadt?: geschlossenene Wohnkomplexe in Polens Hauptstadt Warschau

Transformation to a closed city?: closed residential complexes in Poland's capital of Warsaw
[Zeitschriftenartikel]

Werth, Henrik

Zitationshinweis

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgenden Persistent Identifier (PID):http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0168-ssoar-48062-3

Weitere Angaben:
Abstract Geschlossene, überwachte Wohnkomplexe gehören inzwischen auch in Polen als grundlegend neues städtebauliches Phänomen zum Alltag. Und unter den Neubauten der letzten Jahre können Mauern, Zäune, Kameras und Sicherheitsdienste schon als Standard gelten. Im Jahre 2001 tauchten sie bereits in Form eines Songtextes der in Polen bekannten Rock-Gruppe T-Love auf. Und im September 2003 berichtete das Warschauer "City Magazine", dass in der polnischen Hauptstadt auch der materielle Gegenpart zur Textform an einigen Stellen wie Pilze aus dem Boden zu schießen scheint. Angestoßen durch vermehrte Forschung und kritische Veröffentlichungen, erhält das Thema inzwischen auch immer weiteren Einzug in den öffentlichen Diskurs. In Mittelost- und Osteuropa vollzieht sich ein schneller Wandel - gesellschaftlich, politisch, wirtschaftlich. Die Zeiten des Kommunismus sind gerade einmal rund 15 Jahre her. Und die schnelle und radikale Transformation der post-kommunistischen Stadt hat ihre Spuren hinterlassen. Dabei handelt es sich einerseits um einen lokalen, mittel-osteuropäischen, Übergang zur Marktwirtschaft und zu demokratischen Systemen der Politik. Andererseits kommt die Öffnung zum Weltmarkt hinzu, die Städten rund um den Erdball gemein ist und den globalen Wandel ausmacht. Rückwirkend, wiederum, nimmt die wirtschaftliche Globalisierung auch Einfluss auf lokale politische, ökonomische, soziale und kulturelle Veränderungen. Als räumliches Ergebnis wirkender globaler wirtschaftlicher Kräfte können dabei in Transformationsstädten häufig Gated Communities vorgefunden werden. Sie entstehen entweder aufgrund steigender sozialer Polarisierung oder durch die Gentrifizierung innerstädtischer heruntergekommener Nachbarschaften. Die Aufteilung von Metropolen in zwei sich gegenüberliegende Realitäten beginnt. Die eine Realität ist die der geschlossenen Stadt. Und die Realität auf der anderen Seite sind die Ghettos der Armut, der Übriggebliebenen. Vorwiegend innerhalb der letzten 10 Jahre sind im Zuge eines, großteils durch Kapitalzuflüsse aus dem Ausland angetriebenen, Baubooms in Warschau mehr als 200 geschlossene Wohnkomplexe unterschiedlichen Typs entstanden. Ein Ende dieses Trends ist unter anderem wegen der herrschenden Wohnungsknappheit nicht absehbar. Als Gründe für den ungehemmten Bau überwachten Wohnraums können liberale, ungefestigte stadtplanerische Rahmenbedingungen ebenso genannt werden, wie die Angst vor neuen sozialen Unübersichtlichkeiten und der Gewalt der Verlierer des Kapitalismus. Mit der bislang größten Gated Community "Marina Mokotów" auf 22 ha Fläche in Zentrumsnähe hat die Entwicklung ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Das nachträgliche Abgrenzen und Überwachen von benachbarten Wohngebieten, um sich sicherer zu fühlen oder die Immobilienpreise zu erhöhen, ist wie in den USA bereits ebenfalls zu beobachten. Der Autor sieht im Trend zum Wohnen in Gated Communities die Gefahr der zunehmenden Verinselung von Stadtraum. Als Konsequenz wäre in Abhängigkeit von der Größe der Fläche, die jeweils abgegrenzt ist, ein freies Bewegen abseits der Hauptstraßen nicht mehr möglich. Dies würde das Aus von natürlicher Urbanität in der Stadt bedeuten. Eine aktive Stadtpolitik gegen das Errichten von privaten Straßennetzen und gegen das Abgrenzen von bisher öffentlichem Straßenraum, lässt jedoch bislang auf sich warten. Dies wäre ebenso erstrebenswert, wie das Hinwirken auf ein attraktives Wohnumfeld durch Mitbestimmung und ohne Verdrängung - im Sinne einer furchtlosen, lebendigen und offenen Stadt. (Autorenreferat)

Closed supervised residential complexes have become a totally new, but everyday urban development phenomenon in Poland. And walls, fences, cameras and security services have become standard equipment in new buildings in the last few years. Th ey appeared in 2001 for the first time in the form of the text of a song of the rock group T-Love popular in Poland. And the Warsaw-based City Magazine reported in September of 2003 that the physi cal counterpart to the text form seems to be springing up like mushrooms at some places in the Polish capital. Stimulated by increased research and critical publications, this issue is being increasi ngly debated in the public discourse. In Eastern and Central Eastern Europe there is a fast-paced change in social, political and economic terms. Communist times are just 15 years behind us and the fast-paced and radical transformation of the post- communist city has left its traces. This is the local Central Eastern European transition to market economy and democratic systems of politics combined with the process of opening up to world markets. As such, it is common to cities all over the world and is the hallmark of global change. And, as a counter-effect, economic globalisation has an impact on local political, economic, social and cultural changes. Gated communities can be frequently found as a spatial outcome of global economic forces in transformation cities. They emerge either due to increasing social polarisation or gentrification of run-down inner-city neighbourhoods. It divides up big cities into two realities existing next to one another. The one reality is the closed city while the reality on the other side is the ghettos of poverty and those left behind. More than 200 closed residential complexes of various types have sprung up primarily in the last 10 years in the course of a building boom in Warsaw that is mostly driven by a capital influx from abroad. The end of this remains elusive, partially due to the predominant lack of residential space. Liberal and unsolid urban planning constraints are some of the reasons for unrestrained construction of supervised residential space as well as the fear of new social imponderabilities and the violence arising from the people who have come out on the losing side of capitalism. The Marina Mokotów gated community, the largest to date on 22 hectares in the area of the city centre, represents the latest high-water mark in this development. There has been a great incidence of the phenomenon of excluding and monitoring neighbouring residential areas to heighten the feeling of security or boost real estate prices. This is comparable to what is found in the United States. The author sees the danger of increasing insularity of urban spaces in the trend towards living in gated communities. Depending upon the size of the area divide d off, this makes it impossible to move freely about beyond the main streets. This would spell out the end of natural urbanity in city centres. Unfortunately, there are no signs of proactive urban policy being undertaken against private street networks being set up or previously public road sp aces being divided up. It would be just as desirable to work towards having an attractive residential environment where everybody decides and nobody is displaced – for a open and lively city without fear. (author's abstract)
Thesaurusschlagwörter Poland; urban development; segregation; security; residential area; town planning; transformation; housing market; investment; housing construction; luxury
Klassifikation Raumplanung und Regionalforschung; Siedlungssoziologie, Stadtsoziologie
Sprache Dokument Deutsch
Publikationsjahr 2005
Seitenangabe S. 155-161
Zeitschriftentitel Europa Regional, 13.2005 (2005) 4
ISSN 0943-7142
Status Veröffentlichungsversion; begutachtet
Lizenz Deposit Licence - Keine Weiterverbreitung, keine Bearbeitung
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