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Klassen oder Kultur? Durchbrüche und Sackgassen in der Arbeitergeschichte

Classes or culture? Breakthroughs and impasses in the history of working class

Kocka, Jürgen

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(externe Quelle)

Zitationshinweis

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgenden Persistent Identifier (PID):http://hdl.handle.net/10419/122717

Weitere Angaben:
Abstract Der Beitrag befaßt sich mit einer wichtigen Verschiebung der Forschungsinteressen in der jüngeren Arbeitergeschichte, die unter dem Schlagwort "Alltagsgeschichte" stärker darauf insistiert, daß der Historiker auch zu untersuchen hat, wie Strukturen und Prozesse die Menschen betrafen, von ihnen erlebt und beeinflußt wurden. Die Erschließung der Welt der Wahrnehmungen und Erfahrungen, der Deutungen und Sichtweisen, der "Kultur" in einem weiten Sinn, die man im "Alltag" der Arbeiter aufzuspüren versucht, versetzen den Historiker in die Lage, Wirklichkeitsdimensionen zu thematisieren, die in vielen sozialgeschichtlichen Arbeiten der letzten Jahrzehnte wenig berücksichtigt wurden: Rituale und Feste, Gebräuche und ungeschriebene Verhaltensregeln, Gesten und Symbole, Leiden und Freuden, Emotionen und Affekte, Affektkontrollen und Wahrnehmungsformen, Arbeitsverhältnisse, Herrschaftsstrukturen, soziale Beziehungen aller Art. Zwar wurde diese Entwicklung vom Autor als willkommene Erweiterung und auch als manchmal berechtigte Korrektur anerkannt. Als neo-historistischer Rückfall und Flucht vor der Anstrengung des Begriffs, ja als Sackgasse wurde die "Alltagsgeschichte" jedoch dann kritisiert, wenn sie die Geschichte auf die "Abfolge von vielen Alltagen" reduziert, wenn sie Strukturgeschichte durch Erfahrungsgeschichte nicht ergänzt, sondern ersetzt, wenn sie die begriffliche Analyse von Strukturen und Prozessen als repressiv verwirft und die sympathisierende Erzählung von der Welt der kleinen Leute für ausreichend, ja besonders demokratisch hält ("Geschichte von unten"). Mikrohistorisierung und die emphatische Ablehnung gesamtgesellschaftlicher Analysen, überhaupt eine anti-analytische Stimmung wurde Teilen der heutigen "Alltagsgeschichte" vorgeworfen, wobei als Grundstimmung eine Sicht der Modernisierung als Zerstörung und Verlust statt als Aufbau und Fortschritt diagnostiziert wurde.
Thesaurusschlagwörter social class; culture; labor movement; historical development; nineteenth century; twentieth century; German Reich; Weimar Republic (Germany, 1918-33); social history; science of history; historiography; working class
Klassifikation Sozialgeschichte, historische Sozialforschung
Sprache Dokument Deutsch
Publikationsjahr 1982
Seitenangabe S. 955-965
Zeitschriftentitel Merkur, 36 (1982) 10
ISSN 0026-0096
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