Mehr von Brahm, Heinz

Export für Ihre Literaturverwaltung

Übernahme per Copy & Paste
Bibtex-Export
Endnote-Export

       

Weiterempfehlen

Bookmark and Share


Überwindung der Folgen der kommunistischen Diktatur in Bulgarien

Overcoming the consequences of communist dictatorship in Bulgaria
[Forschungsbericht]

Brahm, Heinz

Zitationshinweis

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgenden Persistent Identifier (PID):http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0168-ssoar-43248

Weitere Angaben:
Körperschaftlicher Herausgeber Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale Studien
Abstract 'Die Geographie ist für jedes Land Schicksal. Wegen seiner Randlage in Europa ist Bulgarien in seiner Entwicklung stark behindert oder sogar zurückgeworfen worden. Erst 1878 ist es der osmanischen Herrschaft, die fast ein halbes Jahrtausend gedauert hat, entkommen. 1934 war der Parteienpluralismus beseitigt worden, der zwar am Ende des Zweiten Weltkrieges für kurze Zeit wieder auflebte, dann aber von den Kommunisten, die nur noch eine gleichgeschaltete Bauernpartei an ihrer Seite duldeten, brutal unterdrückt worden war. Rund 4O Jahre haben die Kommunisten auf ihre rüde Art regiert und Regungen eigenständigen politischen Denkens erstickt. Sie scheuten nicht einmal davor zurück, einen Kritiker wie Georgi Markov 1978 in London zu ermorden. Der Kontakt zum Westen wurde von Sofia stark eingeschränkt. Todor Zivkov wünschte sogar den Anschluß seines Landes an die Sowjetunion. Infolge dieser Politik ist Bulgarien im Westen kaum noch wahrgenommen worden. Nach 1989 hat sich die Bulgarische Kommunistische Partei (BKP) sehr schnell dem Demokratisierungsprozeß, wie er in Ostmitteleuropa stattfand, angepaßt. Sie verzichtete auf ihre Monopolstellung, ließ Oppositionsparteien zu und benannte sich gemäß dem Trend der Zeit in 'Bulgarische Sozialistische Partei' (BSP) um. Anders als die postkommunistischen Parteien Polens, Ungarns, der Tschechoslowakei und der DDR ging die BSP aus den ersten freien Wahlen als stärkste Partei hervor. Erst 1991 siegte die 'Union der demokratischen Kräfte' (SDS) mit einem hauchdünnen Vorsprung vor der BSP und bildete, gestützt von der DPS (Bewegung für Rechte und Freiheiten), der politischen Vertretung der Türken, unter Filip Dimitrov die erste antikommunistische Regierung. Schon 1992 trat diese Regierung zurück, nachdem sie von allen Seiten unter Beschuß genommen worden war und ihr zuerst die Abgeordneten der DPS, dann eine Reihe von SDS-Abgeordneten untreu wurden. Den Abtrünnigen war der Kurs der 'blauen' Regierung zu scharf. In Wirklichkeit war er, vergleicht man ihn mit Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei, moderat. Die neue Regierung unter Ljuben Berov, die von der BSP, der DPS und den SDS-Abtrünnigen getragen wurde, verzichtete auf eine Entsorgung der kommunistischen Altlasten und endete schließlich in einer Sackgasse. Die Wahlen von 1994 bescherten der BSP die absolute Mehrheit im Parlament. Sie wäre also bestens ausgestattet gewesen, das große Reformprogramm, wie sie es versprochen hatte, zu verwirklichen. Sie scheiterte jedoch 1995 bei der Eindämmung der Kriminalität und 1996 in der Wirtschaft. Brot wurde knapp und unverhältnismäßig teuer. Selbst das 'Neue Deutschland' ging davon aus, daß nirgendwo in Osteuropa die Krise verheerender war als in Bulgarien. Vor allem die Rentner konnten sich an die unvermeidlichen Turbulenzen und Härten der Demokratisierung und Marktwirtschaft nicht gewöhnen und hatten 1994 größtenteils die BSP gewählt. Erschreckend war, daß viele Intellektuelle, Journalisten oder Wissenschaftler keine so weitreichende Dekommunisierung wie etwa in Tschechien wünschten und damit gewollt oder ungewollt der BSP in die Hände arbeiteten, die so wenig reformiert war, daß sie nicht in die Sozialistische Internationale aufgenommen werden konnte. Die BSP war trotz ihres eklatanten Versagens jedoch nicht bereit, die Macht aus der Hand zu geben. Sie wich erst dem massiven Druck von der Straße und verlor die Wahlen im April 1997. Nach den Wahlen vom April 1997 machte die neue Parlamentsmehrheit der 'Vereinigten demokratischen Kräfte' (ODS) erneut Vorstöße, die kommunistische Vergangenheit aufzuarbeiten.' (Autorenreferat)

'Its geography is every country's fate. Because of its peripheral location in Europe, Bulgaria has been severely handicapped and sometimes even cast back in its development. Not until 1878 was it able to escape from ottoman domination, to which it had been subjected for almost half a millennium. In 1934 party pluralism was abolished, and though it enjoyed a brief revival after the end of the Second World War it was again brutally suppressed by the Communists, who allowed only a conformist peasants' party at their side. For around 4O years, the Communists ruled the country in their own high-handed manner, stifling any spark of independent political thinking. They did not even stop at murdering their critics, such as Georgi Markov, assassinated in London in 1978. Sofia rigidly constrained contacts with the West. Todor Zhivkov would even have liked to merge his country with the Soviet Union. As a result of these policies, Bulgaria was for a long time hardly noticed in the West. Since 1989, the Bulgarian Communist Party (BKP) was quick to adapt to the democratisation process taking place in East Central Europe. It relinquished its monopoly status, allowed opposition parties, and, in line with the trend at the time, re-named itself the 'Bulgarian Socialist Party' (BSP). Unlike the post-communist parties in Poland, Hungary, Czechoslovakia and the GDR, the BSP emerged from the country's first free elections as the strongest party. It was not until 1991 that the 'Union of Democratic Forces' (SDS) gained its first victory, with a hairs-breadth lead over the BSP, and formed the first anti-communist government, under the leadership of Filip Dimitrov and with the support of the DPS (Movement for Rights and Freedoms), the political representatives of the Turkish minority. But this government was forced to resign as early as in 1992, when it came under fire from all sides and first the DPS deputies and then some of the SDS's own parliamentarians defected. The renegades found the 'blue' government's political course too incisive. In fact, by comparison with Poland, Hungary and Czechoslovakia, it was quite moderate. The new government under Lyuben Berov, which enjoyed the support of the BSP, the DPS and the SDS rebels, neglected to eradicate the communist heritage and eventually found itself at a dead end. The 1994 elections brought the BSP the absolute majority in parliament. It would thus have been well equipped to implement the programme of sweeping reforms it had promised. Instead, it ran aground in l99S with its battle against crime and in 1996 it stumbled over the economy. Bread became scarce and inordinately expensive. Even 'Neues Deutschland' came to the conclusion that nowhere in Eastern Europe was the crisis as devastating as in Bulgaria. The pensioners, especially, were unable to cope with the inevitable turbulences and hardships that accompanied democratisation and the transition to a market economy, and most of them had voted BSP in 1994. The alarming thing was that even many intellectuals, journalists and academics did not want de-communization to go as far as, for instance, in the Czech Republic and thus willingly or unwillingly played into the hands of the BSP, which had made so little progress even in its internal reforms that it was not accepted into the Socialist International. However, despite its patent failure, the BSP was not prepared to relinquish power. only massive pressure from the streets forced it to give way, and it lost the elections in April 1997. After the April 1997 elections, the new parliamentary majority of the 'United Democratic Forces' (ODS) renewed attempts to make the country come to grips with its communist past.' (author's abstract)
Thesaurusschlagwörter Bulgaria; democratization; communist party; party; socialist party; transformation; coming to terms with the past; post-socialist country
Klassifikation Staat, staatliche Organisationsformen
Methode deskriptive Studie
Freie Schlagwörter Übergang zwischen politischen Systemen; Politische Reformen; Rechtliche Regelung; Politische Partei; Balgarska Socialisticeska Partija; Innenpolitische Lage/Entwicklung
Sprache Dokument Deutsch
Publikationsjahr 1997
Erscheinungsort Köln
Seitenangabe 25 S.
Schriftenreihe Berichte / BIOst, 47-1997
Status Veröffentlichungsversion; nicht begutachtet
Lizenz Deposit Licence - Keine Weiterverbreitung, keine Bearbeitung
top