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Die Paradoxie der Zeugenschaft : Lebensgeschichte als Konstruktionselement der Interaktionspraxis in Gerichtsverhandlungen

The paradox of testimony : life history as a construction element in interaction practice in court proceedings
[Zeitschriftenartikel]

Benkel, Thorsten

Zitationshinweis

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgenden Persistent Identifier (PID):http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0168-ssoar-354281

Weitere Angaben:
Abstract Es gibt keine zufälligen Zeugen, sondern nur Personenkonstellationen, die sich offenkundig aufgrund spezifischer Umstände so ergeben mussten, wie sie sich ergeben haben. Diese Umstände werden jedoch nicht durch die Rekonstruktion des Tathergangs ersichtlich. Vielmehr macht erst der Nachvollzug von Lebensverläufen die konkreten Beziehungen der Tatbeteiligten zueinander plastisch. Genau dies unterscheidet das naturwissenschaftliche Sachverständigengutachten von der soziologischen Analyse: Anstelle der Schlussfolgerung vom Beweis auf die Umstände, die den Beweis "faktisch" zum Beweis gemacht haben (das meint die "materiellen" Umstände einer Straftat), steht die spezifische Figuration der Akteure (idealtypisch: von Täter, Opfer, Zeugen) zueinander. Sie kann von entscheidender Wichtigkeit für das Urteil sein. Deshalb gehört es zu den Binsenweisheiten der Kriminalistik, im Zuge der Aufdeckung einer Straftat nahe liegende Verbindungslinien (insbesondere Familienverhältnisse) zu kontrollieren - eine Spurensuche in der Biographie von Tätern und Opfern, die letztlich ebenfalls der Rekonstruktion des Tatgeschehens dient. Nicht ohne Grund haftet auch jenen Nachforschungen, die Biografen vornehmen, auf dass der Lebensverlauf ihrer "Zielperson" sich sukzessive enthüllen möge, ab einem gewissen Punkt der Recherche (spätestens dann, wenn es um die feinsten Einzelheiten und die verstreutesten Belege geht) die Aura einer quasi-kriminalistischen Feinarbeit an, die umgangssprachlich oft mit dem Fahndungsgespür von Kriminalbeamten und Detektiven verglichen wird - und diesem Berufshabitus wohl auch gar nicht so fern steht. (ICF2)
Thesaurusschlagwörter life career; interaction; witness; court; trial; biography; construction; narration; interpretation; communication; reminiscence; identification; positivism
Klassifikation Kriminalsoziologie, Rechtssoziologie, Kriminologie; Erhebungstechniken und Analysetechniken der Sozialwissenschaften
Methode anwendungsorientiert; deskriptive Studie; empirisch; empirisch-qualitativ; Theorieanwendung
Sprache Dokument Deutsch
Publikationsjahr 2010
Seitenangabe S. 6-27
Zeitschriftentitel BIOS - Zeitschrift für Biographieforschung, Oral History und Lebensverlaufsanalysen, 23 (2010) 1
ISSN 0933-5315
Status Veröffentlichungsversion; begutachtet (peer reviewed)
Lizenz Deposit Licence - Keine Weiterverbreitung, keine Bearbeitung
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