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"Herr Präsident, ihr Volk stirbt!" Protestmusik und politischer Wandel in Nordafrika/Nahost

[Arbeitspapier]

Mattes, Hanspeter

Zitationshinweis

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgenden Persistent Identifier (PID):http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0168-ssoar-316826

Weitere Angaben:
Körperschaftlicher Herausgeber GIGA German Institute of Global and Area Studies - Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien, Institut für Nahost-Studien
Abstract Trotz der Umbrüche in der arabischen Welt seit Anfang 2011 gibt es immer noch staatliche Repression gegen Journalisten, Künstler und Musiker, die politische und wirtschaftliche Missstände anprangern. Im Sommer 2012 verhinderten zudem Salafisten in Tunesien mehrfach Musikveranstaltungen, weil sie ihrer Meinung nach "unislamisch" seien. Die mit dem "Arabischen Frühling" vor allem bei den Kunstschaffenden verbundenen Hoffnungen auf mehr Freiheit haben sich bislang nicht erfüllt. Die Musik hat in den postkolonialen arabischen Staaten immer auch eine politische Rolle gespielt. Neben die breite Palette der Unterhaltungsmusik trat zum einen der Versuch der jeweiligen Staatsführung oder der Einheitsparteien, mittels "revolutionärer" Lieder die Bevölkerung zugunsten des Nasserismus in Ägypten, der qaddafischen Revolution in Libyen oder des Ba‘thismus in Syrien und Irak zu mobilisieren. Zum anderen diente der Jugend und den unzufriedenen Teilen der Bevölkerung die Musik als Hauptinstrument ihrer Kritik an Unterdrückung und Ungleichheit. Vorreiter in dieser Hinsicht waren die algerische Rai-Musik und die kabylischen Protestlieder von Sängern wie Matoub Lounes. Trotz staatlicher Schikanen und Verfolgung der regimekritischen Musiker erreichten diese Lieder über Musikkassetten ein breites Publikum. Mit Beginn des "Arabischen Frühlings" erlebte die musikalische Protestkultur einen rasanten Aufschwung; revolutionäre Protestlieder wie jene des tunesischen Rappers "El Général" wurden zu mobilisierenden transarabischen Revolutionshymnen. Mit der Konsolidierung der politischen Umbruchprozesse setzten alte Mechanismen der Kontrollobsession und damit auch die erneute Einschränkung der künstlerischen Freiräume ein. Seither nehmen Verurteilungen von Musikern wieder zu. Der Aufschwung der Islamisten in nahezu allen arabischen Staaten verstärkt den öffentlichen Druck gegen "unislamische" Kunst und Musik. Nach Ansicht der Islamisten steht Musik für Verderbtheit und verkommene Moral, lenke vom Glauben ab und sei daher Sünde.
Thesaurusschlagwörter music; protest; political change; North Africa; Middle East; islamism
Klassifikation politische Willensbildung, politische Soziologie, politische Kultur; Kultursoziologie, Kunstsoziologie, Literatursoziologie
Freie Schlagwörter Protestkultur
Sprache Dokument Deutsch
Publikationsjahr 2012
Erscheinungsort Hamburg
Seitenangabe 8 S.
Schriftenreihe GIGA Focus Nahost, 9
ISSN 1862-3611
Status Veröffentlichungsversion; nicht begutachtet
Lizenz Creative Commons - Namensnennung, Nicht kommerz., Keine Bearbeitung
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