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Serbiens selbst auferlegte Isolierung : Thesen über den serbischen Nationalismus

Serbia's self-imposed isolation : theses on Serbian nationalism
[Zeitschriftenartikel]

Jovanovic, Dokica

Zitationshinweis

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgenden Persistent Identifier (PID):http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0168-ssoar-311358

Weitere Angaben:
Abstract 'Dokica Jovanovic schildert in seinem Essay die Zerrissenheit seines Landes zwischen Modernisierung und Traditionalismus, Westen und Osten sowie die durchaus populäre Ablehnung, sich auf den dringend notwendigen Transitionsprozess einzulassen. Nach dem Zusammenbruch des sowjetischen Sozialismus entstand auch bei den Satellitenstaaten ein ideologisches Vakuum, das mit traditionalistischen Beständen aus der eigenen Geschichte aufgefüllt wurde. Liberale Prinzipien blieben diesem Denken fremd. Zu den Folgen der antiliberalen, traditionalistischen Haltung gehören in Ost- und Südosteuropa heute die Wiederaufnahme der Ausgrenzung von Minderheiten wie Roma und Juden. 'In höherem Maße als in Westeuropa suchen extrem rechte politische Gruppen aggressiv nach einem Platz und versuchen, ihn einzunehmen: protofaschistische, klerikal-nationalistische und (...) pro-bolschewistische und rechtsorientierte Assoziationen zusammen'. Nicht individuelle, sondern kollektive Selbstidentifizierung bestimmte in der Neuzeit das gesellschaftliche Handeln. Anders als die zivilen Kulturen des Westens war die balkanische Kultur eine patriarchalisch-orientalische. Dieser fehlte der Fortschrittsgedanke ebenso wie die urbane, Freiheitsimpulse setzende Lebensweise. So fehlte das kulturelle und ökonomische Potential zur Ausbildung einer nicht nur auf ethnischen Kriterien beruhenden politischen Gemeinschaft. Das allein einigende Band blieb der serbische Ethno-Nationalismus mit seiner Abgrenzung gegenüber der als bedrohlich empfundenen Außenwelt einerseits und dem Verlangen nach Integration aller von Serben bewohnten Territorien andererseits. Daraus erwächst die ständige Forderung nach einer vergangenheitsfixierten 'Rückkehr zu den Wurzeln', nach 'Tradition'. In dem pseudotraditionalistischen, depersonalisierten Kollektiv, so der Verfasser, gebe es keine Solidarität und ein hohes Maß an Unempfindlichkeit gegenüber dem Leid anderer. Die Nationalismen im ehemaligen Jugoslawien schaukelten sich gegenseitig auf, führten zum Abbruch der bis dahin bestehenden Beziehungen, zu Isolation und Selbstisolation. Vor diesem Hintergrund entfernte sich das von Slobodan Milosevic geführte Serbien, das die Verteidigung des angeblich 'bedrohten Serbentums' zu seiner obersten Maxime erklärt hatte, immer weiter von dem sich vereinigenden, zivilen Europa. Serbische Intellektuelle, die der so genannten 'nationalen Intelligenz' angehörten, hatten schon seit langem das Identitätsbild Serbiens, auf das sich Milosevic stützen konnte, konstruiert. Dazu gehört auch der Führungsanspruch Serbiens über alle Balkanslawen. Während in den Ländern Ostmitteleuropas Künstler, Schriftsteller und Wissenschaftler oft den Kern der Opposition bildeten, unterstützten der Schriftstellerverband Serbiens und die Serbische Akademie für Wissenschaft und Kunst in hoch emotionalisierten, romantisierenden Manifesten faktisch die Politik Milosevics. Das größte Problem der Gegenwart sieht der Verfasser darin, dass es keine Anzeichen einer 'Dechauvinisierung' Serbiens, keine Bereitschaft zur Anerkennung der Verbrechen gebe, sondern nur Schweigen. Jovanovic plädiert für einen dem Entnazifizierungsprozess nachempfundenen Dechauvinisierungsprozess, der die Verantwortlichkeiten offen legt.' (Textauszug)

'The key issue, dealing with the possible process of adopting Western European values and principles of social life, is the following: Why is Serbia alone? Accordingly, how come that ex-Yugoslav member republics have distanced themselves from Serbia? Has Serbia ever been a Piedmont? Why do the Balkanian neighbouring countries not consider Serbia a trusty partner in their 'European' aspirations? These are the issues which beg for attention nowadays. Pursuing answers to these questions is actually searching for an answer to the following questions: How to embark on a journey to Europe? If a journey to Europe is what we want, that is.' (author's abstract)|
Thesaurusschlagwörter historical analysis; development; self-image; Southeastern Europe; writer; minority; Europe; Eastern Europe; fascism; outgroup; traditional society; identity; political ideology; isolationism; clericalism; war crime; political culture; nationalism; Serbia
Klassifikation Staat, staatliche Organisationsformen; politische Willensbildung, politische Soziologie, politische Kultur; allgemeine Geschichte
Methode historisch
Sprache Dokument Deutsch
Publikationsjahr 2007
Seitenangabe S. 347-374
Zeitschriftentitel Totalitarismus und Demokratie, 4 (2007) 2
ISSN 1612-9008
Status Veröffentlichungsversion; begutachtet
Lizenz Deposit Licence - Keine Weiterverbreitung, keine Bearbeitung
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