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Kostenbeteiligungen für Patienten - Reformansatz ohne Evidenz! Theoretische Betrachtungen und empirische Befunde aus Industrieländern

Cost sharing for patients - reform approach with no evidence! Theoretical analyses and empirical findings from industrial nations
[Arbeitspapier]

Holst, Jens

Zitationshinweis

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgenden Persistent Identifier (PID):http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0168-ssoar-259288

Weitere Angaben:
Körperschaftlicher Herausgeber Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung gGmbH
Abstract "Die internationale Gesundheitssystemforschung zeigt in praktisch allen Industrieländern einen einheitlichen Trend auf: die zunehmende Verlagerung der Kosten von der solidarischen Finanzierung auf die privaten Haushalte. Gesetzgeber wie Berater begründen dies üblicherweise mit der Stärkung von Kostenbewusstsein und vor allem der 'Eigenverantwortung'. Wirtschaftswissenschaftler betrachten Selbstbeteiligungen in der Gesundheitsversorgung als notwendig, um dem Missbrauch der Solidargemeinschaft entgegenzuwirken. Von Gebühren und Zuzahlungen erwarten sie eine 'vernünftigere' Inanspruchnahme der Gesundheitsleistungen und eine finanzielle Stabilisierung der Systeme. Die Sicht vieler Politiker und Wirtschaftsexperten auf den 'Gesundheitsmarkt' ist durch das Theorem des versichertenseitigen Moral Hazard geprägt. Dieses Modell macht Krankenversicherte zu rationalen 'Nutzenmaximierern', die zum eigenen Vorteil über den Bedarf hinaus Leistungen in Anspruch nähmen und dadurch gesamtgesellschaftliche Wohlfahrtsverluste verursachten. Moral Hazard in der Krankenversicherung gehört zum Standard-Repertoire ökonomischer Lehrbücher. Die vorliegende Arbeit wertet die umfangreiche Literatur über Ansätze und Versuche der Kostenbeteiligung von Patienten aus, die in den letzten vier Jahrzehnten erschienen ist. Dabei stellt sich heraus, dass belastbare Belege für das Moral-Hazard-Verhalten von Versicherten bzw. Patienten bisher fehlen und die üblicherweise angeführte Empirie für den Nachweis ungeeignet ist. Gesundheitswissenschaftliche, versorgungsbezogene und klinische Studien legen vielmehr nahe, dass die Versicherten das System nicht ausnutzen wollen oder können. Die Einführung von Kostenbeteiligungen für Patienten scheint eher die bedarfsgerechte Versorgung zu gefährden, weil sie Kranke von der Inanspruchnahme abhalten. Die Vorstellung von der 'rationalen' Nutzung des Gesundheitswesens entpuppt sich als realitätsfremd. Nach gründlicher Auswertung des Forschungsstandes kommt der Autor zum Schluss, dass Moral Hazard in der Krankenversicherung ein Popanz der akademischen Wirtschaftstheorie geblieben ist. Für die Einführung von Kostenbeteiligungen für Patienten fehlt es an hinreichender realitätsbasierter Evidenz. In Anbetracht der schädlichen versorgungspolitischen Effekte erscheinen die Rücknahme aller Patientenzuzahlungen und der Verzicht auf Selbstbeteiligungen geboten." (Autorenreferat)

"International health service research highlights a uniform tendency in practically all industrialised countries: the increasing shift of costs from solidarity-based financing to private households. Legislators and advisors usually justify this policy through the need to encourage cost-consciousness and mainly 'self-responsibility'. Economists consider cost-sharing in health care to be necessary for preventing abuse of the caring society. They expect user charges and co-payments to motivate a more 'rational' utilisation of health care and, thus, the financial stabilisation of health systems. Many politicians and economists base their assumptions on the 'health market' on the theorem of demand-side moral hazard. This model transforms enrollees into rational 'utility maximisers' who are consuming services beyond their needs thereby causing welfare losses to the society as a whole. Moral hazard in health insurance belongs to the standard repertoires of economic textbooks. The present study analyses the extensive literature on approaches and experiments to introduce patient cost-sharing published during the last 40 years. Results show that persuasive evidence for demand-side moral hazard is still lacking. Furthermore, the usually quoted empiricism turns out to be inappropriate for proving evidence. Health science, service research and clinical studies rather suggest that health insurance beneficiaries are not aiming at or willing to abuse the health system. In fact, introducing patient cost-sharing seems to endanger adequate health care since they deter the ill from claiming benefits. The idea of 'rational' use emerges as out of touch with reality. After a systematic in-depth review of current research on the topic, the author concludes that moral hazard in health insurance is a bogey of academic economic theory. Adequate reality-based evidence for implementing patient user fees and co-payments is lacking. In view of the detrimental effects on health service utilisation, it is advised to cancel existing co-payments and to abandon costsharing policies." (author's abstract)
Thesaurusschlagwörter health care delivery system; health care; funding; cost sharing; patient; private household; industrial nation; health insurance; reform; research status
Klassifikation soziale Sicherung; Gesundheitspolitik
Methode deskriptive Studie; empirisch
Sprache Dokument Deutsch
Publikationsjahr 2008
Erscheinungsort Berlin
Seitenangabe 120 S.
Schriftenreihe Discussion Papers / Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, Forschungsschwerpunkt Bildung, Arbeit und Lebenschancen, Forschungsgruppe Public Health, 2008-305
Lizenz Deposit Licence - Keine Weiterverbreitung, keine Bearbeitung
Datenlieferant Dieser Metadatensatz wurde vom Sondersammelgebiet Sozialwissenschaften (USB Köln) erstellt.
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