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Verstaatlichungs- und Entstaatlichungsprozesse von Polizei und Rechtssystem und ihre Auswirkungen auf die Todesstrafe

Processes of statism and de-statism : impacts on the police, the legal system and the use of capital punishment
[Zeitschriftenartikel]

Reicher, Dieter

Zitationshinweis

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgenden Persistent Identifier (PID):http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0168-ssoar-248599

Weitere Angaben:
Abstract 'In diesem Aufsatz wird analysiert, welche Auswirkungen Ver- und Entstaatlichungsprozesse von Polizei und Rechtssystem auf die Anwendung der Todesstrafe haben. Ich werde argumentieren, dass stark bürokratisierte Staaten unter bestimmten Umständen dazu neigen, weniger grausame Strafen zu verhängen als plutokratische Staaten mit einer dünnen Verwaltungsstruktur. Das ist deshalb so, weil bürokratisch betriebene Gerichtsbarkeit und Polizei ein stark distanziertes Verhältnis zu Tätern und Opfern von Verbrechen aufbauen. Deshalb herrscht in einer solchen Konstellation eine Form der Sozialkontrolle vor, die sich durch Zurückhaltung und Nüchternheit auszeichnet. In Staaten jedoch, in denen intermediäre Akteure (z.B. lokale Eliten) Macht und Einfluss besitzen, wird Strafen und Kontrolle in expressiv und affektiv eindringlicher Art ausgeübt. Die Strafen neigen dazu, grausam, exemplarisch und abschreckend zu sein. Am Beispiel Englands kann gezeigt werden, dass, als die intermediären Kräfte an Macht zulegten, die Todesstrafe eine höhere Bedeutung bekam. Sie wurde häufiger und für mehr Delikte eingesetzt. Als dann wiederum der bürokratische Zentralstaat gestärkt wurde, verlor die Todesstrafe sehr rasch ihre alte Rolle als zentrales Element des Strafsystems. Auch in Österreich, dessen Staatswendung untrennbar mit dem Organisationsaufbau der Bürokratie einhergeht, begann die Todesstrafe eine untergeordnete Rolle im Strafrecht zu spielen, bis sie schließlich kaum noch zum Einsatz kam.' (Autorenreferat)

'This paper discusses the causes for establishing a state police forte and legal system and the impact of those processes on the use of capital punishment. The author argues that there is a strong link between the characteristics of state-building processes and formal and institutionalized control and punishment. These processes determine the role of capital punishment within a society. The main argument is that states with powerful bureaucracies send to maintain a less harsh penal law, though only under certain conditions. In states with strong bureaucracies the distance between the authorities and the defendants and those who seek redress is larger. The use of bureaucratic types of social control is characterized by non-emotional and a more subdued use of symbols and discourse. A state with strong local and non-governmental forces, on the other hand, tends to use highly expressive, exemplary and deterrent forms of social control. The case of eighteenth century England shows clearly, that the empowerment of local elites made death penalty more important as a medium of social control. After the renvewal of the power of the central bureaucracy capital punishment began to lose its importance. The same happened in Austria, were capital punishment however did not play the role it had in eighteenth century England.' (author's abstract)|
Thesaurusschlagwörter bureaucratization; police; law; Austria; denationalization; centralization; Great Britain; transfer from private to state ownership; death penalty; political domination; social control
Klassifikation Kriminalsoziologie, Rechtssoziologie, Kriminologie; Staat, staatliche Organisationsformen
Methode deskriptive Studie; Theorieanwendung
Sprache Dokument Deutsch
Publikationsjahr 2003
Seitenangabe S. 189-218
Zeitschriftentitel Soziale Probleme, 14 (2003) 2
Status Veröffentlichungsversion; begutachtet (peer reviewed)
Lizenz Deposit Licence - Keine Weiterverbreitung, keine Bearbeitung
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