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Körpervermittelte Rechtlosigkeit : die KZ-Haft als Idealtypus

Physically mediated lawlessness : imprisonment in a concentration camp as an ideal type
[Konferenzbeitrag]

Lautmann, Rüdiger

Zitationshinweis

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgenden Persistent Identifier (PID):http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0168-ssoar-152878

Weitere Angaben:
Körperschaftlicher Herausgeber Deutsche Gesellschaft für Soziologie (DGS)
Abstract "Das Konzentrationslager NS-deutscher Prägung bietet ein Exempel für den Ablauf sozialer Exklusion. Die Insassen erleiden einen totalen Rechtsverlust. Sämtliche Bürgerrechte werden entzogen, und zwar mit Maßnahmen, die primär zum Körper der Delinquenten greifen. Regulative, symbolische und kommunikative Mechanismen werden erst nachrangig eingesetzt. Es sind die physischen Umstände von Einweisung, Aufenthalt und Haftdauer, welche Situation und schließliches Schicksal des Subjekts bestimmen: Ernährung, Wohnen, Bekleidung, Gesundheitsversorgung, Arbeit, Übergriffe u.a. Auch die 'Körpernähe' des anfänglichen Haftgrundes beeinflusst die Überlebenschance. Soziale Exklusion vollzieht sich hier über eine buchstäblich körperliche Aussonderung aus der umgebenden Gesellschaft. Zugleich zeigt sich eines der gesellschaftlichen Modelle für das Verhältnis von Körper und Recht. Körperprozeduren markieren die Stufen der Häftlingskarriere. Die Insassen durchschreiten die Stadien des Rechtsverlusts, indem ihr Körper sich transformiert. Die Belastungen können durch die Unterstützung von Mithäftlingen aufgefangen werden. Als ein Surrogat für Regelsysteme im Lager dient die gruppeninterne Solidarität - wenn vorhanden. Die lagerinternen Regeln entstammen nicht dem Recht der Außengesellschaft. Sie werden von der SS bestimmt und körperunmittelbar kommuniziert. Auch wenn sich so etwas wie eine 'Häftlingsgesellschaft' bestünde, sind die Routinen und Regeln des Lagerlebens kein 'Recht'. Die körpervermittelte Rechtlosigkeit wird nicht unterschiedslos in den totalitären Politikregimes angetroffen. Zu vergleichen ist vielmehr eine Körperdiktatur wie in NS-Deutschland mit einer Erziehungsdiktatur wie in der DDR. Auch Demokratien kennen den körpervermittelten Rechtsentzug. Welche 'Natur' mag es sein, auf die Gesellschaft sich hier reduziert? An den Lagern auf 'reichsdeutschem' Boden (wie Buchenwald, Dachau, Ravensbrück - nicht aber an Vernichtungsmaschinen wie Auschwitz-Birkenau) lässt sich eine Ausschließungsstrategie in beinahe idealtypischer Reinheit beobachten. Die deutsche Soziologie hat sich dafür nur selten interessiert, die internationale umso mehr." (Autorenreferat)
Thesaurusschlagwörter Third Reich; concentration camp; law; body; exclusion; society; civil rights; group; solidarity; prisoner; German Democratic Republic (GDR); comparison; dictatorship; regime
Klassifikation Kriminalsoziologie, Rechtssoziologie, Kriminologie; allgemeine Geschichte
Methode Dokumentation; historisch
Titel Sammelwerk, Herausgeber- oder Konferenzband Die Natur der Gesellschaft: Verhandlungen des 33. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Kassel 2006. Teilbd. 1 u. 2
Herausgeber Rehberg, Karl-Siegbert
Konferenz 33. Kongress "Die Natur der Gesellschaft". Kassel, 2006
Sprache Dokument Deutsch
Publikationsjahr 2008
Verlag Campus Verl.
Erscheinungsort Frankfurt am Main
Seitenangabe S. 1122-1137
ISBN 978-3-593-38440-5
Status Veröffentlichungsversion; begutachtet
Lizenz Deposit Licence - Keine Weiterverbreitung, keine Bearbeitung
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