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Disziplinierung und Regulierung widerständiger Körper : zum Wechselverhältnis von Disziplinarmacht und Biomacht

Disciplining and regulation of resistant bodies : the interrelation between disciplinary power and biopower
[Konferenzbeitrag]

Möller, Torger

Zitationshinweis

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgenden Persistent Identifier (PID):http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0168-ssoar-151624

Weitere Angaben:
Körperschaftlicher Herausgeber Deutsche Gesellschaft für Soziologie (DGS)
Abstract "In der Medizin zeigt sich nach Foucault eine Verknüpfung zweier Machtpraktiken, wobei die eine auf den individuellen, die andere auf den kollektiven Körper gerichtet ist. Während die erste disziplinierend, den individuellen Körper zu einem produktiven Körper umformt, richtet sich die Biomacht auf die bevölkerungspolitische Regulierung. Beide Formen der Macht (Disziplinar- und Biomacht) stehen dabei in einem gegenseitigen Bedingungsverhältnis. Dieses Wechselverhältnis soll am Fallbeispiel des epileptischen Körpers im 20. Jahrhundert genauer untersucht, dargestellt und erläutert werden. Das Beispiel Epilepsie ist dabei als Fall insofern besonders interessant, als dass sich hier grundlegende Formen und Effekte der Disziplinar- und Biomacht zeigen. So erscheint Anfang des 20. Jahrhunderts im medizinischen Diskurs der epileptische Körper als Widerstandsform gegen die Disziplinierung des Körpers, bei der die 'Seele' als der zentrale Schlüssel zum Gefängnis des Körpers, insbesondere im Akt des Anfalls nicht ansprechbar ist (z.B. im psychoanalytischen Diskurs). Darüber hinaus versagen die medizinischen Praktiken bei der Kontrolle des Anfallsgeschehens und leisten bei der weiteren Generierung von Abweichung durch psychopharmakologische Nebenwirkungen einen ähnlichen Dienst wie das Gefängnis bei der Vernetzung des Verbrechens (s. Foucault: Überwachen und Strafen). Die biopolitische Folge ist ein weitgehender Ausschluss des Epileptikers aus zentralen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens (z.B. der Arbeitswelt). Im Nationalsozialismus mit seiner besonderen Form der biopolitischen Regulierung zeigt sich die extremste Variante der Biomacht in Form des - wie Foucault es nennt - modernen Rassismus, der auf die Vernichtung der Abweichenden abzielt. Mit der Entwicklung neuerer therapeutischer Eingriffsmöglichkeiten insbesondere ab Mitte des 20. Jahrhunderts beginnt dann schrittweise eine Normalisierung des Phänomens mit einer Zurückdrängung bzw. Individualisierung biopolitischer Regulationen. Als eine besondere Form des disziplinären Zugriffs auf den epileptischen Körper muss dabei die so genannte Methode der Selbstkontrolle gesehen werden, bei der mittels einer Biofeedback-Methode es zur Konditionierung bestimmter Hirnareale mit dem Ziel der Unterbindung epilepsiespezifischer Wellenpotentiale kommt. Im Rahmen des Wechselverhältnisses zwischen Biomacht und Disziplinarmacht lassen sich zwei große Linien am Fallbeispiel verdeutlichen. Erstens: Eine erfolglose medizinische oder soziale Disziplinierung, d.h. ein Misserfolg bei der Herstellung eines gesunden und normalen Körpers, setzt bestimmte biopolitische Regulationsmechanismen in Gang. So kommt es bei den als deviant markierten Subjekten zu spezifischen Naturalisierungszuschreibungen, die aus dem als diskursiv widerständig konnotierten Körper abgeleitet werden und zu spezifischen biopolitischen Regulationsformen, deren extremste Variante der Rassismus ist, führen. Zweitens beinhaltet eine erfolgreiche Disziplinierung des Körpers zwar wiederum biopolitische Effekte, jedoch erscheinen diese als summative Serienphänomene und rufen insofern keine explizite sozialtechnologisch-biopolitische Regulierung auf den Plan." (Autorenreferat)
Thesaurusschlagwörter Federal Republic of Germany; body; nature; illness; epilepsy; medicine; medical care; success-failure; biotechnology policy; Foucault, M.; power; twentieth century; population policy; deviant behavior; exclusion; Nazism; racism; therapy; normalization; discourse; self-control
Klassifikation Medizinsoziologie; Bevölkerung; allgemeine Geschichte
Methode Dokumentation; historisch
Titel Sammelwerk, Herausgeber- oder Konferenzband Die Natur der Gesellschaft: Verhandlungen des 33. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Kassel 2006. Teilbd. 1 u. 2
Herausgeber Rehberg, Karl-Siegbert
Konferenz 33. Kongress "Die Natur der Gesellschaft". Kassel, 2006
Sprache Dokument Deutsch
Publikationsjahr 2008
Verlag Campus Verl.
Erscheinungsort Frankfurt am Main
Seitenangabe S. 2768-2780
ISBN 978-3-593-38440-5
Status Veröffentlichungsversion; begutachtet
Lizenz Deposit Licence - Keine Weiterverbreitung, keine Bearbeitung
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