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Der pädagogische Griff nach dem Fremden : zur Haltung lokaler Initiativen gegenüber Flüchtlingen in der Bundesrepublik Deutschland

The pedagogical reach for the alien: attitude of local initiatives towards refugees in the Federal Republic of Germany
[monograph]

Dünnwald, Stephan

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Please use the following Persistent Identifier (PID) to cite this document:http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0168-ssoar-106865

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Abstract Die Diskussionen um Einwanderung und Einwanderer in der Bundesrepublik scheinen stetem Wandel unterworfen. Dennoch gibt es auch Konstanten im gesellschaftlichen Verhältnis zu Zuwanderung. Diese Arbeit geht der Frage nach, welche Formen des Umgangs mit dem Fremden sich in Deutschland entwickelt haben. Der Untersuchungszeitraum sind die Phase einer verstärkten Fluchtmigration nach Deutschland zu Beginn der 90er Jahre und die dadurch angestoßene Asyldebatte. Diese Zeit ist gekennzeichnet durch eine auch unter dem Eindruck der Wiedervereinigung intensivierte Debatte um das gesellschaftliche Verhältnis zum Fremden. Wer sich die Asyldiskussion im wiedervereinigten Deutschland der frühen neunziger Jahre vergegenwärtigt, kann den Eindruck einer zutiefst zuwanderungsfeindlichen Gesellschaft bekommen: eine politische Klasse, die nur darum streitet, ob das Asylrecht gerettet werden kann, die sich aber in der Notwendigkeit der Abwehr von Flüchtlingen weitgehend einig ist, mörderische Anschläge auf Flüchtlinge und Migranten, denen Teile der Bevölkerung zustimmend zusahen, während die Behörden vielfach hilflos und untätig blieben und Appelle für eine menschenwürdige Behandlung von Flüchtlingen als realitätsfern und nicht zeitgemäß beiseite geschoben werden. Ein solcher Eindruck ist nicht grundlegend falsch, doch die aufgeführten Aspekte ergeben nicht das ganze Bild: Während rechte Überfälle auf Flüchtlinge phasenweise ein großes Medienecho auf sich zogen, Flüchtlings- und Menschenrechtsgruppen den rechtsradikalen und den behördlichen Umgang mit Flüchtlingen skandalisierten, arbeiteten auf lokaler Ebene viele kleine Gruppen an der Integration der Asylsuchenden und Flüchtlinge in die Nachbarschaft des Dorfes oder Stadtviertels. Nur gelegentlich wurde diesen Gruppen Öffentlichkeit zuteil, in den meisten Fällen leisteten sie jedoch jenseits der öffentlichen Aufmerksamkeit praktische Betreuung und Unterstützung für Flüchtlinge. Das Engagement dieser Initiativen steht im Mittelpunkt der hier vorgelegten Forschung. Thema ist somit nicht die Ausländerfeindlichkeit sondern die Ausländerfreundlichkeit. Basierend auf der ethnologischen Methode der teilnehmenden Beobachtung verfolgte ich den wohlwollenden Umgang mit dem Fremden in der Münchner Nachbarschaftsinitiative „Miteinander Leben in Sabing“, die sich 1992 kurz nach der Einrichtung einer Flüchtlingsunterkunft im Stadtviertel Sabing gründete, bis hin zu ihrer Auflösung 1998 . In der Auseinandersetzung mit der im Viertel errichteten Unterkunft, ihren Bewohnern, der Verwaltung der Nachbarschaft und Öffentlichkeit im Viertel eignete sich die Initiative mit großer Selbstverständlichkeit eine Umgangsweise an, welche ich als pädagogische Haltung ins Zentrum meiner Arbeit stelle. Den Begriff des Pädagogischen fasse ich dabei bewusst weit. Er bezeichnet den erzieherischen Gestus, mit dem die Initiative den Bewohnerinnen und Bewohnern der Flüchtlingsunterkunft begegnen, eine Legierung aus sozialem Engagement und sozialer Kontrolle, einer ‚Hilfe zur Selbsthilfe’, die Individuen zur eigenständigen Teilhabe an der Gesellschaft anleiten will, und einer auch normativen ‚Integration’, die vorab schon weiß, wie eine solche Teilhabe auszusehen hat. Anhand drei ausgewählter Fallbeispiele, dem Ringen um einen Sozialraum in der Unterkunft, der Kleidersammlung und der Kakerlakenaktion zeige ich die Entwicklung und Umsetzung dieser pädagogischen Haltung in den Aktivitäten der Nachbarschaftshilfe auf. Wie sich diese selbstverständlich eingenommene Haltung erklären lässt, wie sie in Relation zu anderen, zum Beispiel politischen Umgangsweisen mit Flüchtlingen und Migranten steht und wie diese pädagogische Haltung im weiteren Kontext von Arbeits- und Asylmigration nach Deutschland interpretiert werden kann, stellt dabei das eigentliche Forschungsinteresse meiner Arbeit dar.
Keywords Federal Republic of Germany; twentieth century; migration; refugee; neighborhood; group; asylum seeker; policy on refugees; social space; social behavior; citizens' action committee; pedagogical concept; integration; assimilation
Classification Migration, Sociology of Migration
Method empirical; qualitative empirical
Free Keywords Asyl; Fremde; soziale Inklusion
Document language German
Publication Year 2006
Publisher IKO-Verl. f. Interkulturelle Kommunikation
City Frankfurt am Main
Page/Pages 378 p.
ISBN 978-3-88939-822-2
Status Postprint; reviewed
Licence Creative Commons - Attribution-Noncommercial-No Derivative Works
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