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Aktuelles:

OAI-PMH auf SSOAR

Harvesten der SSOAR-Metadaten über OAI-PMH-Schnittstelle möglich

Rechtliche Fragen

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben sich in Vor-Internetzeiten in der Regel wenig um die Frage gekümmert, wer nach Erscheinen eines von ihnen verfassten Textes z.B. in einer Zeitschrift welche Rechte an diesem Text hat.

Mit dem Internet und insbesondere mit dem Publizieren in Open-Access-Zeitschriften bzw. dem Archivieren von in kostenpflichtigen Zeitschriften bereits veröffentlichten Texten auf Open-Access-Dokumentenservern stehen zwar enorm gewachsene Möglichkeiten der Verbreitung und Nutzung wissenschaftlichen Wissens zur Verfügung, zugleich ist aufseiten der Autoren und Autorinnen aber nun ein vermehrtes Bewusstsein über die Frage erforderlich, wer welches Recht an der eigenen Veröffentlichung hat/haben soll. Dies ist auch im Hinblick auf die Verankerung von Open-Access-Prinzipien in den Politiken wichtiger nationaler und internationaler Fördereinrichtungen unbedingt ratsam. Beispielsweise schreibt die DFG in ihren Open-Access-Richtlinien:

"Die DFG erwartet, dass die mit ihren Mitteln finanzierten Forschungsergebnisse publiziert und dabei möglichst auch digital veröffentlicht und für den entgeltfreien Zugriff im Internet (Open Access) verfügbar gemacht werden. Die entsprechenden Beiträge sollten dazu entweder zusätzlich zur Verlagspublikation in disziplinspezifische oder institutionelle elektronische Archive (Repositorien) eingestellt oder direkt in referierten bzw. renommierten Open-Access-Zeitschriften publiziert werden.

An DFG-geförderten Projekten beteiligte Wissenschaftler sollten sich in Verlagsverträgen möglichst ein nicht ausschließliches Verwertungsrecht zur elektronischen Publikation ihrer Forschungsergebnisse zwecks entgeltfreier Nutzung fest und dauerhaft vorbehalten. Dabei können disziplinspezifisch Karenzzeiten von in der Regel 6-12 Monaten vereinbart werden, vor deren Ablauf das Einstellen bereits publizierter Forschungsergebnisse in disziplinspezifische oder institutionelle elektronische Archive nicht gestattet wird."

Informationen zu rechtlichen Fragen bei der Archivierung in Repositorien sind in dem Informationsportal open-access.net zusammengefasst; wir beschränken uns hier auf einige ausgewählte Hinweise:

1. Sie sind an dem nachträglichen Zugänglichmachen eines bereits in einer kostenpflichtigen Zeitschrift veröffentlichten Artikels in SSOAR interessiert, um ihn möglichst breit für die (Fach-) Öffentlichkeit verfügbar zu machen:

  • Prüfen Sie, ob Open-Access-Policies der Zeitschrift/des Verlags bereits über die SHERPA/RoMEO-Liste des Projekts "Securing a Hybrid Environment for Research Preservation and Access" verfügbar sind, denn mittlerweile erlauben zahlreiche Verlage das parallele oder nachträgliche Speichern von Dokumenten auf Volltextservern.
  • Wenn die entsprechende Zeitschrift/der entsprechende Verlag in der SHERPA/ROMEO-Liste nicht geführt wird, was für zahlreiche deutsche Zeitschriften/Verlage leider noch der Fall ist, ist von Fall zu Fall zu prüfen, ob die Archivierung in SSOAR unbedenklich ist. Hier sind die jeweils vertraglich getroffenen Regelungen relevant. Wenn Sie keinen expliziten Verlagsvertrag geschlossen haben, erwirbt der Verlag für die Vervielfältigung und Verbreitung ein ausschließliches Nutzungsrecht, das sich ein Jahr nach Erscheinen des Artikels aber in ein einfaches Nutzungsrecht wandelt, sodass Sie den Beitrag ein Jahr nach Erscheinen in SSOAR einstellen können (siehe auch genauere Informationen und Spezifikationen hierzu unter open-access.net).
  • Einige Verlage erlauben mittlerweile die (sofortige) Archivierung auf Open-Access-Dokumentenservern mit speziellen Auflagen. Oft handelt es sich um Textzusätze, die dem Dokument beim Einstellen auf dem Dokumentenserver hinzugefügt werden sollen. In SSOAR werden zwar prinzipiell auch die Orte der Erstveröffentlichung so genannt werden, dass diese kenntlich und (wenn verfügbar) für interessierte Nutzer(innen) auch direkt mittels Hyperlink (bspw. zu Zeitschriften/Verlagen) erreicht werden können. Teilweise existieren aber genaue Zitationsverabredungen, wie z.B.

Bei Archivierung auf einem Dokumentenserver bitte wie folgt zitieren: Autoren-Veröffentlichung. (c) Verlag A, 2007. Bei dieser Fassung handelt es sich um die Version des Autors/der Autorin, die mit Erlaubnis des Verlages A archiviert wurde. Die Originalfassung wurde in der Zeitschrift B, Jahrgang C, Heft D in Monat E, Jahr F veröffentlicht. doi: Link G.

2. Sie sind a) an der nachträglichen Archivierung eines Beitrags, der in einem Buch oder in einer Festschrift erschienen ist oder b) an der nachträglichen Archivierung einer Monografie in SSOAR interessiert: Im Falle von a) gilt ebenfalls, wenn vertraglich nichts anderes vereinbart und keine Vergütung für die erste Veröffentlichung gezahlt wurde, dass Sie diesen Beitrag ein Jahr nach Erscheinen in SSOAR einstellen können. Im Falle von b) fehlen gesetzliche Regelungen für Online-Veröffentlichungen. Problemlos archiviert werden können bisher Monografien und andere Dokumentarten, die bereits vor dem 31.12.1994 publiziert wurden: Hier liegen die Rechte an der elektronischen Verbreitung bei den Autoren und Autorinnen, da es sich um eine damals unbekannte Nutzungsart handelte, für die die Autor(inn)en insoweit auch keine Rechte einräumen konnten, d.h. diese Werke dürfen online veröffentlicht bzw. archiviert werden, auch wenn vertragliche Vereinbarungen dem entgegenstehen. (Dies gilt nur unter dem Vorbehalt, dass nachträglich keine Vereinbarung über die digitale Veröffentlichung geschlossen wurde.)

Hier ergeben sich mit Änderung des Urheberrechts wichtige Einschränkungen, die Ihr Handeln erfordern: siehe hierzu ausführlich open-access.net und Hinweise zur Rechteübertragung an SSOAR.

Für nach dem 31.12.1994 veröffentlichte Monografien ist eine Nachfrage beim Verlag sinnvoll: Vielleicht hat der Verlag die Monografie bereits aus dem Programm genommen oder er hat keine Einwände gegen die Archivierung in SSOAR, da mit der breiteren Zugänglichkeit auch zusätzliche Interessent(inn)en für die Print-Publikation gewonnen werden können.

Rechte an unbekannten Nutzungsarten

Neu ist seit Anfang 2008, dass die Urheberin/der Urheber in einem schriftlichen Vertrag ausschließliche Nutzungsrechte auch für zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses noch unbekannte Nutzungsarten an einen Dritten übertragen kann (§ 31a Abs.1 UrhG), Verträge über unbekannte Nutzungsarten). Ein Beispiel für eine neue Nutzungsart ist die Online-Verwertung oder Online-Nutzung, die erst seit Anfang 1995 als allgemein bekannt angesehen wird. Die Nutzungsrechte für die Online-Nutzung von Werken, für die vor 1995 ein Nutzungsvertrag mit einem Dritten abgeschlossen wurde, fielen laut der Übergangsregelung für neue Nutzungsarten (§ 137l UrhG) an den Inhaber der ausschließlichen Nutzungsrechte, wenn die Urheberin/der Urheber nicht bis Ende 2008 gegen diesen automatischen Zufall der Rechte gegenüber dem Rechteinhaber Widerspruch eingelegt hat (dazu auch Open-Access.net: siehe Urheberrechtsreform und § 137l der Urheberrechtsreform - FAQ zur Rechteübertragung).

3. Sie sind an der Erstveröffentlichung einer Monografie in SSOAR interessiert: Viele Publikationen, z.B. Dissertationen, werden mittlerweile ausschließlich elektronisch auf Dokumentenservern veröffentlicht. Hierbei ist rechtlich vor allem die jeweilige Promotionsordnung der Universität ist zu beachten. Wenn Sie parallel eine Open-Access-Publikation und eine Publikation in gedruckter Form planen, sollte dies im Verlagsvertrag festgehalten werden: Viele Verlage, z.B. Universitätsverlage, bieten dieses sogenannte "Hybride Publizieren" bereits explizit an. Oft lohnt es sich auch, gezielt beim Wunschverlag die gewünschte Open-Access-Parallelveröffentlichung anzusprechen. Einige Verlage stehen dem durchaus aufgeschlossen gegenüber, da eine parallele Open-Access-Veröffentlichung oft auch den Absatz der gedruckten Version fördert. Das Dokument sollte unbedingt unter einer Open-Content-Lizenz veröffentlicht werden, die die Wahrung Ihrer Rechte gegenüber Nutzer(inne)n der Online-Version regelt und sicherstellt. Informationen über unterschiedliche, zu wählende Lizenzen erhalten Sie bei Einstellen der entsprechenden Veröffentlichung in SSOAR.

Wenn Sie zukünftig an der Veröffentlichung in einer kostenpflichtigen Zeitschrift interessiert sind, weil für den Sie interessierenden Kontext keine Open-Access-Zeitschrift existiert, Sie aber Rechtsunsicherheit vermeiden und Ihr Recht an einer elektronischen komplementären oder nachträglichen Archivierung in SSOAR oder einem anderen Open-Access-Dokumentenserver von vornherein sicherstellen wollen: Achten Sie darauf, dass in dem Autor(inn)envertrag entweder der Verlag/die Zeitschrift nur ein nicht ausschließliches Verwertungsrecht erhält oder dass umgekehrt Sie für sich selbst ein nicht ausschließliches Verwertungsrecht zur elektronischen Publikation bzw. Archivierung Ihrer Forschungsergebnisse behalten.