Weiterempfehlen

Bookmark and Share


Aktuelles:

OAI-PMH auf SSOAR

Harvesten der SSOAR-Metadaten über OAI-PMH-Schnittstelle möglich

1. "Wem gehört der Text?" Und wann darf ich einen bereits veröffentlichten Beitrag in SSOAR einstellen?

Im Falle eines Preprints besteht in der Regel (noch) kein Autorenvertrag, gleichwohl gibt es einige Zeitschriften/Verlage, die bereits im Vorfeld einer Beitragseinreichung ein Vorrecht auf den Text reklamieren und eine Verbreitung über die eigene Homepage oder andere "virtuelle Orte" untersagen. Mittlerweile gestatten aber viele Verlage nach dem Verstreichen einer Karenzzeit, dass selbst im Falle der Vergabe des ausschließlichen Nutzungsrechts Texte auf Dokumentenservern eingestellt und der Öffentlichkeit kostenfrei zugänglich gemacht werden. (Siehe FAQ: Was erlaubt "mein Verlag"?) Zu unterscheiden ist hier die Frage des Urheberrechts und des Rechts auf Verwertung. Das Urheberrecht liegt bei den Autoren und Autorinnen. Davon zu unterscheiden ist das Verwertungsrecht, das Verlage oft für sich beanspruchen, indem sie sich von den Autoren/Autorinnen das "ausschließliche Nutzungsrecht" übertragen lassen: geschieht dies, dann ist nur der jeweilige Verlag zur Nutzung und Verbreitung des Originaltextes berechtigt, die Autoren und Autorinnen verlieren das Recht, den eigenen Text weiter zu nutzen und zu verbreiten. Es empfiehlt sich deshalb, Verlagen nur ein einfaches, d.h. kein ausschließliches Nutzungsrecht zu übertragen (siehe hierzu auch die DFG-Förderrichtlinien): Damit haben die Verlage das Recht der Nutzung und Verbreitung des Beitrags, und zugleich haben aber auch Sie als Autor bzw. Autorin die Möglichkeit, eine elektronische Version Ihres Textes z.B. auf der eigenen Homepage bereitzustellen oder in einem Dokumentenserver wie SSOAR zu archivieren. 

Dennoch gilt: Als Autorin/Autor sind Sie dann auf der sicheren Seite, wenn Sie dem Verlag lediglich das nicht ausschließliche Nutzungsrecht übertragen (bzw. im Autorenvertrag das Wort "ausschließlich" einfach streichen).

Wenn es keinen Vertrag oder in einem bestehenden Vertrag keine Vereinbarung zur elektronischen Verbreitung eines Werkes gibt, hat der Verlag nach Ablauf eines Jahres nur noch einfache Nutzungsrechte an Ihrem Werk. Die gesetzliche Grundlage hierfür ist der §38 Abs. 1 UrhG: Gestattet der Urheber/die Urheberin die Aufnahme eines Werkes in eine periodisch erscheinende Sammlung, so erwirbt der Verlag im Zweifel ein ausschließliches Nutzungsrecht zur Vervielfältigung und Verbreitung. Jedoch darf der Urheber/die Urheberin das Werk nach Ablauf eines Jahres nach Erscheinen anderweit vervielfältigen und verbreiten, wenn nichts anderes vereinbart ist.

Bisher gilt dies in der einschlägigen Literatur aber nur für Nachdrucke "in körperlicher Form" (also z.B. Bücher, CDs usw.) als unzweifelhaft. Sie sollten daher den Verlagsvertrag studieren, ob eine Regelung zur elektronischen Verbreitung enthalten ist. Ist die elektronische Verbreitung vertraglich nicht geregelt worden, können Sie Ihren Beitrag nach Jahresfrist auch online verbreiten, d.h. also in SSOAR einstellen.

Für Aufsätze in nicht periodisch erscheinenden Sammelbänden gilt zudem die Einschränkung, dass nur dann die Verwertung durch die Autorinnen und Autoren nach Jahresfrist möglich wird, wenn keine Vergütung gezahlt wurde (§38 Abs. 2 UrhG).

Rechtlich unproblematisch war die Situation bisher in der Regel für Beiträge, die vor 1995 veröffentlicht wurden. Bei diesen Werken lagen die Rechte an der elektronischen Verbreitung bei Ihnen als Autor/Autorin, da es sich um eine damals "unbekannte Nutzungsart" handelte, für die Sie keine Rechte einräumen konnten, d.h. Sie durften diese Werke online veröffentlichen (§15 UrhG), auch wenn im ursprünglichen Vertragstext die ausschließliche Übertragung aller Verwertungsrechte vereinbart wurde. (Dies gilt nur unter dem Vorbehalt, dass nachträglich keine Vereinbarung über die digitale Veröffentlichung geschlossen wurde und wenn - im Falle, dass keine nachträgliche Vereinbarung geschlossen wurde - Sie sich das "einfache Nutzungsrecht" gesichert haben.)

Um sich für diese Veröffentlichungen von vor 1995 auch zukünftig Ihr einfaches Nutzungsrechte zu sichern, war es nötig, vor dem 31.12.2007 ein einfaches Nutzungsrecht an Ihre Institution oder ein Repository wie SSOAR zu übertragen haben bzw. eine Widerspruchsfrist bis Ende 2008 genutzt haben. Letzteres musste aber für jede einzelne Publikation wahrgenommen werden.

Besonderheiten und viel Wissenswertes zu Publikationen vor 1995 finden sich zusammengestellt in CoLab, der wikibasierten Informationsplattform der Max-Planck-Digitial-Library (kritische Anmerkungen dazu finden sich unter:  http://archiv.twoday.net/stories/4638822/).

 

2. Was erlaubt "mein Verlag"?

Verlage beanspruchen in der Regel das ausschließliche Nutzungsrecht und halten dies entsprechend im Autor(inn)envertrag fest; im Falle eines solchen Vertrages haben Sie Ihr einfaches Nutzungsrecht verloren. (Siehe FAQ: Welche Möglichkeiten habe ich, eine Open-Access-Verbreitung vertraglich durchzusetzen?

Allerdings zeigen sich viele Verlage zunehmend offener gegenüber der Selbstarchivierung wissenschaftlicher Publikationen. Die SHERPA/RoMEO-Liste gibt Auskunft darüber, was welche Verlage im Hinblick auf die Archivierung in Repositorien gestatten. Sie ist allerdings nicht rechtsverbindlich, es gilt im Zweifel immer der Verlagsvertrag. Und leider liegen für deutsche Verlage noch recht wenige Informationen vor, insofern gilt es hier noch mehr, den Vertragstext heranzuziehen oder den Verlag zu kontaktieren und sich die Selbstarchivierung erlauben zu lassen.

Nach der SHERPA/RoMEO-Liste lassen sich vier Farbkategorien unterscheiden, denen Verlage zugeordnet werden, um sie hinsichtlich der Open-Access-Selbstarchivierung zu klassifizieren.

Grüne Verlage
Das Archivieren von Preprints und Postprints ist gestattet.
Blaue Verlage
Das Archivieren von Postprints (d.h. nach der Begutachtung erstellten Endfassungen) ist gestattet.
Gelbe Verlage
Das Archivieren von Preprints (d.h. vor der Begutachtung erstellten Entwürfen) ist gestattet.
Weiße Verlage
Die Archivierung ist offiziell nicht erlaubt.

Einige Verlage sind neuerdings dazu übergegangen, die sofortige Selbstarchivierung unter Berücksichtigung einiger Auflagen zu gestatten. Autoren und Autorinnen, die solche Zusätze in ihren Verlagsverträgen haben, sollten diese bei der Anmeldung eines Dokuments in SSOAR unbedingt mit angeben. Oft handelt es sich um spezielle Anmerkungen, die dem Dokument bei der Veröffentlichung hinzugefügt werden sollen.

 

3. Was ist rechtlich zu beachten, wenn ich eine bereits veröffentlichte Monografie elektronisch zugänglich machen will?

Es gibt keine gesetzliche Verankerung, wann eine bereits veröffentlichte Monografie auch anderweitig veröffentlicht werden darf. Die einzige Regelung, die auch für Monografien zutrifft, ist die für vor 1995 veröffentlichte Dokumente. (Siehe FAQs "Wem gehört der Text?" und Was erlaubt "mein Verlag"?)

Für nach dem 31.12.1994 veröffentlichte Monografien ist eine Nachfrage beim Verlag sinnvoll. In manchen Fällen haben Verlage die Monografie vielleicht bereits aus dem Programm genommen oder haben keine Einwände gegen die Veröffentlichung der Monografie in SSOAR.

 

4. Welche Möglichkeiten habe ich, eine Open-Access-Verbreitung vertraglich durchzusetzen?

Wenn Sie Ihre Artikel in kostenpflichtigen Zeitschriften veröffentlichen möchten, sich aber trotzdem das Recht der Open-Access-Verbreitung z.B. über SSOAR vorbehalten wollen, gibt es zum einen die Möglichkeit, bestimmte Formulierungen im Vertrag zu streichen, bevor sie ihn unterzeichnen. Eine andere Möglichkeit ist die Ergänzung der zu unterschreibenden Verträge durch Vertragszusätze oder Textpassagen, um so Ihre Rechte zu sichern.

Streichungen im Verlagsvertrag

Viele Autoren und Autorinnen verändern Verlagsverträge, die ihre Rechte auf eine Hinterlegung ihrer Publikationen auf einem Dokumentenserver einschränken, indem sie Ausdrücke wie "exklusive" Abgabe "aller" Rechte ebenso wie weitere, einschränkende Formulierungen deutlich durchstreichen. Ein Begleitbrief sollte auf die Änderungen aufmerksam machen.

Vertragszusätze

Alternativ zu Streichungen können Autor(inn)en dem Verlagsvertrag einen Zusatz beifügen, der vom Verlag gegengezeichnet werden muss, um Rechtsgültigkeit zu erlangen. Der bekannteste und wohl auch anerkannteste Vertragszusatz ist das SPARC Author's Addendum. Das Addendum besteht aus zwei Teilen, dem eigentlichen Vertragsanhang und einer Benutzungsanweisung.

Beispiele für ergänzende Textpassagen 

"1. Der Verlag stimmt zu, dass der Autor/die Autorin das nichtexklusive Recht behält, eine digitale Kopie des Dokumentes vor/während/nach der Publikation durch den Verlag zeitlich unbeschränkt auf einen öffentlich zugänglichen nicht kommerziellen, akademischen Server zu legen.
2. Der Autor/die Autorin verpflichtet sich, das Originaldokument auf dem nicht kommerziellen akademischen Server zu zitieren."

oder

"Für eine Online-Veröffentlichung des Werkes wird dem Verlag ein einfaches Nutzungsrecht ohne Benutzungspflicht eingeräumt. Dem Autor/der Autorin steht es frei, das Werk mit dem Zeitpunkt des Erscheinens als Buchversion parallel kostenlos im Internet über die eigene Homepage, einen institutionellen Server oder ein geeignetes fachliches Repositorium öffentlich zugänglich zu machen."

Auf Englisch

"I hereby declare that I do not wish to assign the exclusive copyright to (Name des Verlages) but reserve the right to publish the article in full on an open access platform".

 

5. Kann ich ein Dokument ausschließlich in SSOAR "veröffentlichen"?

SSOAR dient zwar in erster Linie der (Selbst-)Archivierung von bereits veröffentlichten Dokumenten, aber es ist auch möglich, Texte/Dokumente ausschließlich in SSOAR zu veröffentlichten. Da bereits veröffentlichte Dokumente qualitätsgeprüft sind, ist in Fällen der ausschließlichen Veröffentlichung in SSOAR eine Qualitätskontrolle ("Peer Review" oder es sind - anstelle einer Begutachtung - zwei Empfehlungen von Fachkolleg[inn]en) notwendig. (Siehe FAQ: Wann ist ein Text ein Postprint, wann ein Preprint - und in welchem Verhältnis steht dies zur "Publisher's Version"?)

 

6. Was muss ich rechtlich bei der Erstveröffentlichung in SSOAR beachten?

Viele Publikationen, z.B. Dissertationen, werden ausschließlich elektronisch in einem Repository veröffentlicht. Hierbei ist rechtlich vor allem die jeweilige Promotionsordnung der Universität zu beachten.

Wenn Sie planen, eine Publikation parallel Open Access und in gedruckter Form zu veröffentlichen, sollten Sie dies im Verlagsvertrag festhalten. Viele Verlage, z.B. Universitätsverlage, bieten bereits sogenanntes "Hybrides Publizieren" an. Deshalb sollten Sie bei dem für die Printversion vorgesehenen Verlag die gewünschte Open-Access-Parallelveröffentlichung ansprechen: Einige Verlage stehen dem durchaus aufgeschlossen gegenüber, da eine parallele Open-Access-Veröffentlichung oft auch den Absatz der gedruckten Version fördert.

Das Dokument sollte unbedingt unter einer Open-Content-Lizenz veröffentlicht werden. (Siehe FAQ: Welche Lizenzen finden in SSOAR Anwendung?)

 

7. Können Dokumente kopiert und von anderen widerrechtlich benutzt werden?

Die Dokumente in SSOAR können auf lokale Rechner kopiert und damit prinzipiell auch weiterverwendet werden. Eine solche Verwendung entspricht den für wissenschaftliche Zwecke vorgesehenen Verwertungen unter Einhaltung der "Praxis guter Wissenschaft" (DFG-Empfehlungen), die auch Fragen der angemessenen Zitation regelt. Damit ist die Gefahr der widerrechtlichen Nutzung einer elektronischen Veröffentlichung nicht größer als bei konventionellen Publikationen, denn falls der Diebstahl geistigen Eigentums geplant sein sollte, bedeutet dies, dass er - wie im Fall einer gedruckten Veröffentlichung durch Abschreiben - möglich ist.

Über sogenannte Copyleft-Absprachen können Sie als Autor/Autorin die genauen Formen definieren, unter der Sie Dritten eine Weiterverwendung gestatten. (Siehe FAQ: Warum vergebe ich Lizenzen, wenn ich Dokumente in SSOAR einstelle?)